Die Wende zum Neuen Zeitalter

Zeitzyklen, Jahrtausendwende und das Aeon des Wassermann

© 1999 by Frank Cebulla

Ein neues Jahrtausend steht vor der Tür. Es ist nur sehr schwer, sich der Faszination eines solchen Umschwungs zu entziehen. Überall werden “Millenium-Feiern” vorbereitet und die Literatur zu diesem Thema wächst beständig. Selbst in der esoterischen Szene wird nur sehr unkritisch vom neuen Wassermann-Zeitalter gesprochen und geschrieben, in vielen Fällen ohne Hintergrundwissen. Denn obwohl die Vorstellung, daß sich die Menschheit in charakteristischen Zeitzyklen fortentwickelt, sehr alt ist, ist eine faktische Auseinandersetzung mit diesem Gedanken aufgrund einer komplexen Sachlage nur sehr schwierig möglich. Dies zeigt sich schon, wenn man den Begriff des Zeitalterwechsels ganz profan auf die übliche Zeitrechnung überträgt. Unser Kalender zählt die Jahre seit der Geburt Jesu Christi und das Geburtsdatum des Heilandes der christlichen Religion wurde im Jahre 532 u.Z. von einem Mönch namens Dionysius Exiguus einfach und kurzerhand festgelegt. Der gute Mann verrechnete sich um vier Jahre. Er ging nach den Quellen richtig vom 28. Regierungsjahr des römischen Kaisers Augustus aus, vergaß aber, daß Augustus unter seinem ursprünglichen Namen Octavian bereits vier Jahre vorher geherrscht hatte. Damit würden wir schon im Jahr 2003 leben. Außerdem ging er nach allem, was man heute über Jesus und die Umstände seiner Geburt weiß (z.B. der sogenannte Stern von Bethlehem) von einem falschen Ausgangspunkt aus. Schon Kepler (Astronom) behauptete daher, die Geburt von Jesus hätte 7 v.u.Z. stattgefunden. Den Jahrtausendwechsel hätten wir damit schon 1993 feiern müssen. Durch ein mehr oder weniger kalendarisches Durcheinander in den folgenden Jahrhunderten, vor allen Dingen aber auch die Umstellung des Julianischen auf den Gregorianischen Kalender (bei der 10 Tage “gestrichen” wurden) ist es ziemlich müßig, über einen genauen Zeitpunkt des Jahrtausendwechsels zu spekulieren. Selbst wenn alles genau stimmen würde, beginnt das neue Jahrtausend im Jahre 2001, denn unsere Zeitrechnung beginnt ja auch mit dem Jahre 1 und nicht mit einem Jahr 0. Zudem müßten wir beide Augen vor der Tatsache verschließen, daß es nicht nur einen Kalender auf dieser Welt gibt, sondern je nach Kultur verschiedene mit variablen Ausgangspunkten. So findet im jüdischen, mohammedanischen und buddhistischen Kalender überhaupt gar kein Jahrtausendwechsel statt und das was wir für so bedeutsam halten, reduziert sich auf “drei Nullen” in unserem eigenen, ganz speziellen Zeitrechnungssystem.
Interessanter dagegen ist die Idee, die man bei vielen alten Kulturvölkern finden kann, daß sich die Menschheit in großen Zeitzyklen (Aeonen) fortentwickelt und diese Aeonen charakteristische Merkmale aufweisen. ‘Aeon’ kommt aus dem Griechischen und bedeutet lange Zeit. Das Wort war ursprünglich eine Bezeichnung des alten persischen Ewigkeitsgottes zarvan akaran (=Zeit ohne Ende). In den zahlreichen mystischen Schulen der späteren Gnosis verliert Aeon diese Bedeutung. Aeonen (jetzt Mehrzahl) sind nun Mittler zwischen dem einen Göttlichen und dem Menschen. Noch später werden sie zu Zeiträumen, in denen die Menschheit schicksalhaft-evolutionär verschiedene Prozesse durchmacht. Auch uns heute ist noch der Begriff eines einstigen Goldenen Zeitalters, des ersten Zeitalters überhaupt, geläufig. Wir vergessen aber dabei, daß wir uns nach dieser Art von Evolution stetig nach unten entwickeln und uns gegenwärtig im letzten, dem Eisernen Zeitalter befinden. Auch in Indien betrachtete man die Menschheitsentwicklung in diesen eher düsteren Aussichten. Dort dauert ein Yuga - ein Zeitalter - stattliche 432000 Jahre. Danach befinden wir uns gegenwärtig ebenfalls im letzten Zeitalter, dem Kali-Yuga, das der Überlieferung zufolge nach dem Tod Krishnas im Jahre 3120 v.u.Z. begann Die anderen Yugas sind das Krita-, Treta- und Dvapa-Yuga, die zusammen ein Maha-Yuga bilden, ein tausendstel Teil eines Kapas, eines Tages Brahmas.. Von einem Aeonenwechsel könnten wir jedoch zum jetzigen Zeitpunkt kaum sprechen.
Der abendländische Vorstellungskomplex einer Wende zum Wassermann-Zeitalter basiert auf einem astronomischen Phänomen, der sogenannten Präzession der Äquinoktien (Verschiebung des Frühlings- und Herbstpunktes). Da man nur sehr selten eine genaue Erklärung findet, was darunter eigentlich zu verstehen ist, möchte ich das an dieser Stelle einmal nachholen. Durch das Rotieren der Erdkugel um sich selbst ist es einleuchtend, daß ein beliebiger Punkt in den Äquatorgebieten in der gleichen Zeit (z.B. einem Tag) einen viel größeren Weg zurückzulegen hat als dies weiter nördlich oder südlich zu den Polen hin der Fall wäre. Der Umfang der Erde am Äquator ist ja auch viel größer. Damit ist es logisch, daß die Äquatorgebiete eine viel höhere Rotationsgeschwindigkeit besitzen, nämlich immerhin 1670 km/h. Die durch diese im Vergleich zu den Polgebieten höhere Geschwindigkeit wirken auch sehr viel höhere Rotationskräfte, die die Äquatorgebiete ständig um sagenhafte 21,5 km nach außen drücken. Klarer Fall, daß die Erde dadurch keine exakte Kugel ist, sondern am Äquator eine rundumlaufende “Beule” (und an den Polen jeweils eine Abflachung) hat. An dieser äquatorialen Wölbung ziehen die gigantischen Gravitationskräfte von Sonne und Mond und verursachen dadurch eine Schwankung der Rotationsachse der Erde. Man könnte sich das auch so vorstellen, daß die Erde wie ein Kreisel ins Trudeln kommt. Die Neigung der Achse zur Ekliptik bleibt dabei gleich. Doch der geographische Nordpol (und damit auch der von einem Beobachter auf der Erde wahrgenommene Himmelsnordpol) kreist einmal in 25800 Jahren um den Ekliptik-Nordpol. Daraus folgt z.B., daß der Polarstern nicht ewig unsere Polmarke am nördlichen Himmel sein wird, sondern dies nur gegenwärtig und rein zufällig ist. Im Laufe des platonischen Jahres, nämlich jenen 25800 Jahren, wird sich aufgrund der Präzession der Himmelsnordpol von ihm wegbewegen und erst nach einem vollen Zyklus wieder mit ihm übereinstimmen!
Die Präzession ist verantwortlich dafür, daß wir mittlerweile zwischen Sternbildern am Himmel (siderischer Tierkreis) und den immer gleich bleibenden Tierkreiszeichen jeden Jahres (tropischer Tierkreis) unterscheiden müssen (was so gut wie nie getan wird!). D.h. wenn zum Frühlingspunkt die Sonne in das Tierkreiszeichen Widder eintritt - und zwar jedes Jahr wieder - steht sie nicht wie erwartet auch im Sternbild des Widders am Himmel, sondern gegenwärtig zwischen Fische und Wassermann! Eine Übereinstimmung zwischen siderischem und tropischem Tierkreis gibt es nur einmal während eines platonischen Jahres, das letzte Mal vor ca. 2000 Jahren.
Im Zeitraum eines platonischen Monats (ungefähr 2150 Jahre = 30 º des platonischen Jahres) verschieben sich aufgrund der Präzession siderischer und tropischer Tierkreis gegeneinander genau um ein Zeichen. Wir hatten nun gesehen, daß sich aufgrund der astronomischen Präzession der Erdachse der siderische Tierkreis (die tatsächlichen Sternbilder entlang der Ekliptik) und der tropische Tierkreis (die immer gleichbleibenden Tierkreiszeichen eines jeden Kalenderjahres) innerhalb eines sogenannten platonischen Monats (ca. 2150 Jahre) um genau ein Zeichen gegeneinander verschieben. Maßstab für diese Verschiebung ist der Frühlingspunkt, d.h. der Punkt, an dem die Sonne zum Zeitpunkt der Frühlingstagundnachtgleiche aufgeht. Gegenwärtig befindet sich dieser Frühlingspunkt im Übergang zwischen den Sternbildern Fische und Wassermann (markiert jedoch wie jedes Jahr den Beginn des Tierkreiszeichens Widder). In der astrologischen Esoterik gilt es als Binsenweisheit, daß sich im Übergang in ein neues Sternbild auch dessen astrologischer Charakter auf dem Planeten Erde zunehmend durchsetzt. Konkret würde das bedeuten, daß sich die Menschheit aus einem Fische-Stadium ihrer Entwicklung in ein Wassermann-Stadium hineinbewegt. Ein interessanter Gedanke, aber auch hier liegen die Probleme im Detail. Doch schauen wir uns erst kurz die astrologischen Charakteristiken der entsprechenden Zeichen an. Das Zeichen Fische wird vom Planeten Neptun beherrscht. Dies weist allgemein auf religiöse, mystische, verklärende kollektive Züge mit einem Hang zu Erkenntnisstreben, tiefen Gefühlen, aber auch ungewöhnlichen, ja pathologischen Entwicklungszwängen. Es besteht ein Widerspruch zwischen dem idealistischen Wollen und der tatsächlichen Realität, die nicht selten in Lüge, Manipulation und Pessimismus ausartet. Es fällt tatsächlich nicht schwer, darin die letzten 2000 Jahre Christentum zu erkennen, zumal der Fisch auch noch das traditionelle Symbol dieser Hochreligion darstellt! Im Gegensatz dazu herrscht im Wassermann Uranus, der Planet der Umstürze, Rebellionen und allgemeiner phantasievoller Inspiration. Das Übertreten von Grenzen, die kosmische Verbundenheit, Naturwissenschaft, magisches, reformatorisches und zukünftiges Denken bis hin zur Geringschätzung traditioneller Normen und Werte sind weitere typische Merkmale des Wassermanns. All diese Aspekte finden wir in der derzeitigen Entwicklung der Menschheit zur Genüge!Man muß sich trotzdem sorgfältig fragen, ob wir dabei nicht einem Trugschluß unterliegen, indem unser Bewußtsein wie ein Filter selektiv genau das wahrnimmt, was die Idee des astrologischen Zeitalterwechsels möglichst genau befriedigt! Nicht von ungefähr taucht aus den Reihen der Astrologen selbst Kritik an einem solchen Denken auf. Spurek z.B. weist darauf hin, daß die Wahl des Frühlingspunktes als “Zeiger” willkürlich ist (es könnte auch der Herbstpunkt oder ein beliebig anderer sein) und daß man genausogut die Verschiebung des astronomischen “Frühlingspunktes” zwischen den Sternbildern Fische und Widder auf der Ekliptik als Gradmesser eines Zeitalterwechsels verwenden könnte. Dann aber würde sich die Menschheit in ein Stier-Äon hineinbewegen! Das Zeichen Stier mit seinem Planetenherrscher Venus ist von großen Leidenschaften bis hin zu Lastern geprägt, außerdem materiell und erdhaft dominiert, ein Zug, der sich im Streben nach materiellen Genüssen und Wohlstand zeigt. Vernunft, Einsicht und Selbstbegrenzung sind nicht die Stärken des Stiers. Auch diese Tendenzen kann man gegenwärtig nicht übersehen, oder?
Andererseits kann man wohl kaum erwarten, daß sich eventuelle gravierende Veränderungen schon in den ersten paar “Jährchen” eines neuen Äons durchsetzen - zweieinhalbtausend Jahre sind kein Pappenstiel. Ich denke zudem, daß die Menschheit erst zunehmend lernen wird, daß alles, was sie prägend in ihre eigene kollektive Akasha-Matrix schreibt, vom Universum auch in der Tat manifestiert wird. D.h. konkret, herrschen Wassermann-Gedanken vor, werden auch entsprechende morphogenetische Felder programmiert, die eine entsprechende Realität (die man als Äon des Wassermanns bezeichnen könnte) nach sich ziehen. Dominieren dagegen Prägungen der Gleichgültigkeit, Rücksichtslosigkeit, des grenzenlosen Materialismus und der zunehmenden Akzeptanz von Gewalt, dann kann das Neue Äon sich gravierend von allen idealistisch-romantischen Vorstellungen unterscheiden - wenn es denn auf absehbare Zeit überhaupt noch ein Äon für die Menschheit gibt! Verschiedene Zukunfts-Ideen ringen buchstäblich miteinander um die Vorherrschaft und es liegt nicht zuletzt an jedem Einzelnen, diesen Prozeß mit zu gestalten, ja unter Umständen sogar zu entscheiden.Dies sollte man nicht dahingehend mißverstehen, eine persönlich favorisierte, wie auch immer ausgerichtete persönliche Ideologie als Machtfrage einzusetzen. Das käme - um ein Bild zu verwenden - einer Raupe gleich, die kurz vor ihrer Transformation in einen farbenprächtigen Schmetterling noch immer der Meinung ist, die Welt sollte nur aus grünen Raupen bestehen. Meiner Überzeugung nach stehen wir gerade an einer Schwelle, wo genau diese Ideologien und Machthierarchien auf den Schrotthaufen der Geschichte geworfen werden können - wenn wir es denn wollen. Das Ziel ist - ja was eigentlich? Evolutionäre Intelligenz, kosmisches Bewußtsein, die Erweckung höherer neurologischer Schaltkreise, die Selbst-Umprogrammierung der genetischen Information, Unsterblichkeit, Gott-Sein, die Schmetterlings-Metamorphose … ? Wir können postulieren, spekulieren und mit allen denkbaren Mitteln Beweise suchen - jedoch nur dafür, “daß irgendetwas vor sich geht”, wie Robert Anton Wilson so schön ironisch schreibt. Was jedoch wirklich vor sich geht, wissen wir (noch) nicht. Ob nun Zeitalter-Umbruch oder nicht; die Menschheit ist auf der verzweifelten Suche nach Metaphern für etwas, das ihr noch bevorsteht und das sie im Moment nur in unerheblichem Maße wirklich begreifen kann. ASW, Psi, Magie, altes hermetisches Wissen, geistiges Heilen, UFO’s, Außerirdische, Kornkreise, Channel-Botschaften und Wunder der Jungfrau Maria, der zehnte Planet, Signale vom Hundsstern … Zweifellos geht etwas vor sich. Es wäre voreilig, nur unsere eigenen, “örtlichen Modelle” auf solche Phänomene anzuwenden. Viele wichtige Hochkulturen der Menschheit - Sumer, Chaldäa, Ägypten, China usw. - hielten die Idee des Wechsels von Äonen für sehr bedeutsam, interpretierten sie aber in ihren gewohnten “örtlichen Modellen”, nämlich religiösen Theologien, mythischen Überlieferungen und philosophischen Traditionen. Man kann vermuten, daß hinter dieser “Verpackung” ein interessantes Wissen und ein tieferes Verständnis der Vorgänge verborgen ist. Doch der Zugang zu diesem Wissen ist uns heute nur schwer möglich, nicht zuletzt, weil wir wiederum nur mit den Filterbrillen der Ratio gelernt haben zu sehen und daher vieles aussparen und wegwischen, was nicht in das wissenschaftliche, historische, physikalische … Schema paßt. So versuchten die Ägypter, die die Präzession ebenfalls kannten und beobachteten, die Bewegung des Sothis, des “Hundssterns” Sirius mit ihr in Übereinstimmung zu bringen. In der heutigen Sicht ist das nur deswegen verständlich,weil der Sirius-Aufgang Mitte Juni die Überschwemmung des Nil-Tals und damit die fruchtbare Zeit des Jahres anzeigte. Mehr nicht. Wer jedoch die okkulte Überlieferung kennt, weiß, daß der Sirius mit einem der ältesten Götter überhaupt, mit Seth verbunden ist und daß er auf irgendeine unbekannte Weise die Folge der Äonen mit prägen soll. Nicht ohne Grund wird er auch als “Sonne hinter der Sonne” bezeichnet und nicht ohne Grund fürchteten die Hochreligionen der Alten Welt den Äonen-Kreator und -zerstörer (wohl eigentlich ihren eigenen Untergang) und machten daher aus Seth etwas ganz anderes - Shaitan oder Satan (Wer sich für die Sirius-Überlieferungen interessiert, sollte sich folgende Literatur besorgen: Temple, Das Sirius-Rätsel; Wilson, Cosmic-Trigger; Hope, Im Zeichen des Sirius u.a.).

Wie bereits erläutert, sind unsere Vorstellungen von Zeit durch die planetaren Abläufe unseres Sonnensystems bestimmt. Das Wort Mond besitzt dieselbe etymologische Wurzel wie Maß und messen. Ohne die Idee der Zeit würde uns jegliches Maß fehlen und doch ist sie ein unvorstellbar maßloses Phänomen, denn egal in welche Richtung der Zeit wir unser Denken dehnen, ein Ende und Grund ist nicht zu finden. Jenseits von Milliardstel Sekunden und jenseits von Billionen Jahren lauert nur - unser Unverständnis. Wenn auch Quantentheoretiker über mathematische Multidimensionalität versuchen, Zeit zu fassen, so bleibt doch ein wirkliches, geistiges, letzten Endes spirituelles Verständnis der Zeit aus. In unserer “Wunschrolle” als inkarniertes Säugetier namens Mensch auf dem Planeten Erde befinden wir uns alle innerhalb ihres Stromes und können daher nicht den distanzierten Beobachter spielen, um zu erkennen, worum es sich bei dem, was wir “Zeit” nennen, wirklich handelt. Wir sind ein Teil der Zeit und da “Zeit” etymologisch selber mit “Teil” verwandt ist, erfahren wir unser Menschsein merkwürdigerweise als abgetrennten Teil innerhalb weiterer abgetrennter Teile.
Nach allem was wir heute wissen (und das ist wohl nicht sehr viel) gab es in der uns bekannten Geschichte der Menschheit nur ein Volk, das einem umfassenden Verständnis des Phänomens Zeit sehr nahe kam - die Maya im vorkolumbianischen Mittelamerika. Die heutigen spirituellen Führer der Nachkommen der Maya in Mexiko, Guatemala und Belize bezeichnen sich noch immer als “Hüter der Tage”. Die Maya-Kalender (als der uns mitgeteilte Ausdruck dieses Zeitverständnisses) sind in der Mehrzahl zu nennen, denn die Maya besaßen gleich mehrere davon. Sie lebten unter einer Art Kalenderdiktatur und das gesamte öffentliche Leben, Ritus, Religion, Mythologie wurden von den verschiedenen Kalendersystemen bestimmt. Die Maya kannten - ganz im Gegensatz zum damaligen Europa - eine komplexe Mathematik, die auch die Handhabung großer Zahlen und Zyklen gestattete. Zudem verwendeten sie die NULL und es gibt Fachleute, die behaupten, daß sie dies als erstes Volk der Geschichte taten. Das System von mehr als ein Dutzend verschiedener Kalender diente vorrangig der Vorhersage, Tagesbestimmung, Prophezeiung und Festtagsfolge. Die Zeitmessung richtete sich je nach verwendetem Kalender nach den astronomischen Bewegungen von Sonne, Mond, Planeten (vor allem der Venus) und den Plejaden. Alle Kalender zusammen bildeten ein geniales System ineinandergreifender Zyklen ähnlich einer Maschinerie miteinander verbundener Zahnräder. Ich muß aus Platzgründen auf die Literatur verweisen, denn es führt zu weit, die verschiedenen Kalender an dieser Stelle einzeln zu erläutern. Interessant ist jedoch die Tatsache, daß die zyklischen (wiederkehrenden) Kalender wie haab und tzolkin entlang einer zusätzlichen linearen Zeitrechnung, der mysteriösen Langen Zählung liefen.
Die Maya beobachteten anhand der Venusumlaufbahn auch die Präzession der Rotationsachse der Erde und berechneten daraus - ebenso wie es die esoterische Tradition des Abendlandes tut - Zeitalter oder Sonnen, wie sie es nannten. Zu Beginn jedes Zeitalters startete die Lange Zählung von vorn, letztmalig am 13. 8. 3114 v. u. Z. mit dem Zeitalter der vierten Sonne. Wie dieses Datum bestimmt wurde, ist unbekannt, was dem ganzen einen geheimnisvollen Aspekt verleiht. In der Langen Zählung verwendeten die Maya ein Vigesimalsystem von 20 Zahlen (0 - 19). Ein Zeitpunkt wurde exakt dadurch bestimmt, daß man angab, wieviel Tage seit dem letzten Start der Langen Zählung vergangen waren. Das Zeitalter der vierten Sonne endet am 21. 12. 2012 und ich glaube, daß wir gut daran tun, diesem Termin erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden! Mit dieser Langen Zählung wurden zum Beispiel Stelen und Bauwerke exakt datiert. Mehr als seltsam mutet allerdings die Tatsache an, daß man auf mehreren Stelen Daten gefunden hat, die extrem weit in die Vergangenheit reichen. So wurde in der Maya-Stadt Quirigua eine Stele mit einem Datum gefunden, daß 873 600 000 Jahre zurückliegt. Die sogenannte Mukulmann-Glyphe berichtet von einem Zeitpunkt vor 10 240 000 000 000 Jahren!!! Was soll das bedeuten?
Nun, zum einen könnte es bedeuten, daß unsere eigene, wissenschaftlich begründete Vorgeschichte der Menschheit einschließlich der Darwinschen Abstammungstheorie schlicht falsch ist und die Maya tatsächlich eine Vorstellung von Zyklen hatten, die so unermeßlich weit in die Vergangenheit zurückreichen, daß wir heute darüber nur den Kopf schütteln. Zugegebenermaßen wissen wir diesbezüglich so gut wie nichts, aber mythische Überlieferungen (Sumer, Atlantis, Lemuria, Mu etc.) und permanente Widersprüche der klassischen Archäologie weisen sehr wohl in diese Richtung. Zum anderen bin ich der Meinung, daß die Maya in zyklischen Schwingungen dachten. Indem sie so weite Zeiträume überschauten, maßen und in symbolhaft-numerologische Formen brachten, wollten sie eine komplexe Zeitschwingung ganz einbeziehen. Eine solche Zeitschwingung war unter Umständen sehr tief in der Vergangenheit verankert oder reichte möglicherweise weit in die Zukunft. So fand man genaue Berechnungen der Maya-Astronomen für Sonnenfinsternisse, die lange, nachdem die Maya-Kultur bereits untergegangen war, stattfanden. Sie konnten sich wohl mit dem Gedanken des Zeit-Punkts, der uns so vertraut ist, nicht anfreunden. Punkte sind immer losgelöst voneinander, Schwingungen dagegen fließen verbunden dahin. Jose Arguelles, der sehr tiefgreifend das spirituelle Zeitwissen der Maya erforscht hat (”Der Maya-Faktor”) spricht nicht ohne Grund vom “Surfen”. Wer mit magischer Praxis vertraut ist, kennt sicher die Schwierigkeit zu einem bestimmten Ritualzeitpunkt (z.B. einem Sabbat) aus dem normalen Alltag in eine spezielle kosmische Schwingung hinein zu springen, nur um sich danach wieder heraus zu nehmen. Meiner Erfahrung nach kommt dieses punktuelle Springen ohne Einfühlen in die gesamte Schwingung einem Kopfsprung in ein Becken ohne Wasser gleich. Die Maya erfaßten mit ihren komplexen Kalendersystemen schwingende Zeitzyklen als Ganzes; nur die Übergänge zwischen den Zyklen waren Achtungspunkte, an dem man gewissermaßen die Luft anhielt. Das Loslösen von einer vergangenen Schwingung (dem alten Äon) und das Aufspringen auf eine beginnende neue Schwingung (das neue Äon) erforderte die höchste Konzentration der gesamten Kultur. Es erscheint unter diesen Gesichtspunkten verständlich, daß die Maya an diesen Äonenwechseln besondere kosmische Ereignisse, ja Katastrophen erwarteten und entsprechende rituelle Vorbereitungen trafen. Gewaltige Zäsuren in der Entwicklung des Lebens auf diesem Planeten berichten in der Tat von gigantischen “Apokalypsen”, die durch Asteroiden-Einschläge, Klimawechsel, Polsprünge usw. hervorgerufen wurden. Auch Mythen erzählen übereinstimmend davon (z.B. Sintflut, Fimbul-Winter usw.). Wenn wir wissen, wie sorgfältig die Maya die kosmischen Zeitsender beobachteten, abstimmten und in Übereinklang brachten und das mit dem Hineindämmern einer heutigen blinden Menschheit in ein doch offensichtlich anstehendes neues Äon vergleichen, kann selbst dem optimistischsten Menschen ein grusliger Schauer über den Rücken laufen. Nicht zuletzt die enorme Akzeleration von historischen, sozialen, technischen, wissenschaftlichen und geistigen Prozessen in den letzten einhundert Jahren weist auf einen bevorstehenden Kulminationspunkt hin, auf den wir denkbar schlecht vorbereitet sind. In diesem Zusammenhang müssen wir uns wohl auch davon verabschieden, Äonen als statisch und nur die Übergänge zwischen ihnen als dynamisch zu sehen. Zeitlich eingebundenes unaufhörliches Neuentstehen ist ein wesentliches Charakteristikum eines Äons und führt ganz im klassischen dialektischen Sinne durch immerwährende Zuspitzung und Dramatisierung zum Überlaufen des gerade aktuellen Fasses und damit zu einer neuen Qualität.
Der Gedanke, daß Äonen durch katastrophale Übergänge gekennzeichnet sind, wurde auch von der okkulten Überlieferung des Westens aufgegriffen. Er gehört beispielsweise zur festen Wissenstradition der Theosophie. Auch die Fraternitas Saturni, von Gregor A. Gregorius 1928 gegründet, pflegte ein kosmisch-astrologisches Lehrgebäude, in dem der Wechsel der Äonen durch den Absturz von “Monden” auf die Erdoberfläche zum allgemeinen Gedankengut gehörte. Mittlerweile zumindest in okkulten Kreisen durchgängig bekannt ist auch die Zuordnung einer Götterfolge zu den einzelnen Äonen. Sie basiert auf der fortgesetzten Verehrung ägyptischer Mysterien durch die Rosenkreuzer und die Ausarbeitung entsprechender Gedanken vor allem im Golden Dawn Ende letzten Jahrhunderts. Die von Aleister Crowley ausgegangenen bzw. ihm nachfolgenden thelemitischen Strömungen greifen aufgrund entsprechender Passagen im Buch des Gesetzes (Liber Al vel Legis) ebenfalls gern auf diese Zuordnungen zurück. Nach dieser Art von Tradition bringt man das vorletzte Äon (ca. 2000 v.u.Z. bis Beginn u.Z.) mit Isis in Verbindung, das letzte Äon (an dessen Ende wir stehen) mit Osiris und das angebrochene neue Äon mit Horus. Das nachfolgende Äon wird (ebenfalls nach einem Hinweis aus dem Buch des Gesetzes) der Maat, der Göttin der Wahrheit unterstehen. Auf die Widersprüche dieser Abfolge hat bereits Michael D. Eschner in seinem Artikel “Äonen” hingewiesen. Er versucht das Problem dadurch zu beheben, daß er verschiedenen Äonen zwei Götter zuordnet. Trotz allem Für und Wider muß man sich jedoch ernstlich fragen, worin die Berechtigung für eine solche Götterabfolge eigentlich besteht. Eine Gottheit einer ganz bestimmten religiösen Kultur zum Herrscher eines Äons zu erklären, kann nur bedeuten, seine göttliche Gestalt wie ein Mantel über das Zeitalter zu ziehen und entsprechende Charaktere, Symbole, Mythen, Eigenschaften und Kräfte für wesentlich zu erklären, andere dagegen auszuklammern. Das paßt manchmal ganz hervorragend (wie im Fall von Osiris), manchmal überhaupt nicht (wie beim Isis-Zeitalter) und manchmal wird es wohl einfach nur von menschlicher Hoffnung genährt (wie im Fall von Maat, der Göttin der Gerechtigkeit). Andere wichtige Götter werden gleichsam gar nicht erst in die engere Wahl gezogen, von anderen religiösen und mythischen Systemen ganz zu schweigen. Das hat zur Folge, daß das anbrechende Horus-Zeitalter mittlerweile auch als Äon des Seth bezeichnet wird, obwohl ein ausgesprochen wichtiger ägyptischer Mythos von der erbitterten Feindschaft zwischen diesen beiden Göttern berichtet. Das hat auch zur Folge, daß Gruppen, die mit Horus als Gott des Krieges nichts zu tun haben wollen, gleich zum Äon der Maat übergehen und gleichsam zweitausend Jahre im Handstreich überspringen. Es ist wohl schon immer bequemer, in selbst zurecht gezimmerten Illusionen zu hausen als sich mit einer widerspenstigen Realität auseinanderzusetzen. Mit diesem ganzen verzwickten Durcheinander landen wir als eifrige Metaphysiker doch wieder im gleichen Schlamassel wie bei der Zuordnung zu einzelnen Tierkreiszeichen. Ich möchte an dieser Stelle meine Sympathie für Crowleys Lehren nicht verhehlen, möchte aber auch dazu auffordern, offensichtliche Widersprüche als Basis schöpferischer Auseinandersetzung aufzugreifen und nicht oberflächlich zu übergehen. Denn Wassermann- oder Horus-Zeitalter schön und gut, aber was macht man, wenn dieses glorreiche neue Äon erstmalig von der Theosophin Alice A. Bailey ohne Zeitangabe verkündet wurde, nach der Offenbarung von Crowleys Kairo-Working 1904 einsetzt, nach Alfons Rosenberg aber 1950, nach Arnold Graf Keyserling 1962, nach C.G. Jung 1997 oder 2143, nach Frater Achad 1948 usw. und so fort!
“Es gibt keinen Gott außer dem Menschen” und “Der Mensch hat das Recht, zu denken, was er will …” (Liber Oz). Meiner Meinung nach wird es Zeit, daß wir uns an unsere Göttlichkeit erinnern und das Wort Freiheit nicht weiter endlos strapazieren, sondern ganz lebendig aufgreifen! Individuelles, nicht-normatives, undogmatisches Denken hat “Zeit-Ungemäßheit” (Nietzsche) zur Folge und vielleicht erscheint einem dann auf einmal ein fester Zeit-Punkt, ein bestimmtes Tierkreiszeichen, ein spezieller Gott nicht mehr ganz so wichtig, weil austauschbar. Vielleicht wird es dann zunehmend möglich, zu Sternen im eigenen, unendlichen Universum zu werden. “Jeder Schüler muß seine eigene Kabbala erschaffen”, schrieb Crowley in einem Brief und ich kann diese ernstgemeinte Aufforderung nicht hoch genug schätzen. Sollten wir tatsächlich das Glück haben, Zeugen eines Äonenwechsels zu werden, erfordern die damit verbundenen Bedingungen - ob nun Katastrophe oder nicht - ein Höchstmaß an Intelligenz und Sensibilität ; die Maya wußten wovon sie sprachen.

Alle okkulte Traditionen, alle Lehren, alle Offenbarungen sollen und können uns Stützen und Orientierungshilfen bieten. Sie können jedoch keineswegs unseren persönlichen Absprung auf eine bevorstehende neue Schwingung bewerkstelligen. Surfen müssen wir schon selbst; kein Gott nimmt uns diesen Spaß ab. Der Mensch hat sich einst dazu entschieden, den Apfel vom Baum der Erkenntnis zu essen. Seitdem hat Generation um Generation den Sprung in die Zeiten gewagt und das Abenteuer Leben versucht zu verwirklichen. Manchmal wissen wir nicht mehr um die hoffnungslose Romantik dieses Schrittes und spüren nur schmerzhaft den allzu hohen Preis …
Ich gebe zu, daß trotz allem der Gedanke eines Neuen Äons eine bemerkenswerte Faszination ausstrahlt. In diesem Sinne hoffe ich, daß die kollektive Erwartungsenergie so vieler Menschen auf diesem Planeten zu einem Ausgangspunkt für bessere Bedingungen für das Leben und Werden jedes einzelnen Menschen bieten wird. Jenseits aller überflüssigen Hoffnungen weiß ich aber auch, daß jeder selbst und unmittelbar am Frequenzregler dreht. Tja und welches Programm hören wir nun gerade heute …

Kommentare (2) zu “Die Wende zum Neuen Zeitalter”

  1. FC schrieb:

    Zur Beachtung: Der Text stammt von 1999, also schon von vor der Jahrtausendwende! Nur so sind einige Bezüge im Text zu verstehen …

  2. » Atlantis-Suche im Internet bei Youtube, in Blogs, … - Psychic SEO - PSI+Suchmaschinenoptimierung schrieb:

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