Das-Grosse-Rechts-Links-Spiel
Den alten Römern schreibt man gern die politische Maxime Divide et impera zu: Teile und herrsche. Und so teilten und herrschten sie tatsächlich viele Jahrhunderte, bis das Römische Reich selbst geteilt und seine Herrschaft vom modrigen Staub der Geschichte hinweggefegt wurde. Die Maxime selbst stammt allerdings nicht aus der Antike, sondern vermutlich aus der Renaissance, vom französischen König Ludwig XI. (mit dem Beinamen “Die Spinne”), der die Devise diviser pour régner prägte.
Schon als Kinder kannten wir ein ähnliches Sprichwort, das weniger gelehrt oder machthungrig klang, aber im Grunde die gleiche lehrreiche Botschaft vermittelte: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Dieser - ebenfalls sprichwörtlich gewordene - lachende Dritte ist eine merkwürdige Gestalt, zieht sie doch einen unverkennbaren Nutzen aus einer Position, die außerhalb zweier anderer gegensätzlicher Parteien liegt. Dabei nimmt der Dritte nur bedingt Einfluß, agiert mehr als Beobachter, Strippenzieher und bedächtiger Wahrer seiner Vorteilsrolle, einer Rolle, die den streitenden Parteien nicht bewußt ist. Er ist derjenige, der Zwietracht und Uneinigkeit sät - und davon profitiert.
Obwohl nun diese Sprichwörter so weit verbreitet und allgemein bekannt sind, scheint niemand zu bemerken, wie eine ganze politische Landschaft nach genau diesem Prinzip aufgebaut ist. Nennen wir es Das-Große-Rechts-Links-Spiel. Es ist so selbstverständlich, so eingeschliffen, so selbsterklärend, so naturgegeben, daß niemand auf den Gedanken kommt, es zu hinterfragen oder gar seinen Sinn und Zweck zu bezweifeln. Das Spiel ist zudem äußerst einfach und basiert auf einem simplen Spektrum von zwei Richtungen und einigen Farben - quasi wie für Kinder gemacht oder anders ausgedrückt: auch für den ausgemachtesten Deppen verständlich. Ein Spiel braucht Protagonisten - jene, die sich in Zwietracht und Uneinigkeit verstricken sollen, wir erinnern uns - und diese Protagonisten füllen mit ihren Meinungen, Standpunkten, Manifesten, Ideologien, Programmen, Statuten, Organisationen, Parteien, Vereinigungen, Strömungen und Denkweisen das Spiel auf. Man könnte auch sagen, sie machen es lebendig, wie Schauspieler eines Theaters auf einer Bühne ein Schau-Spiel lebendig machen. Sie passen sich dabei dem vorgegebenen Spektrum an und alles, was fortan an politischer Denkungsart geäußert wird, macht nur Sinn in Bezug auf das Spiel. Ihre Meinungen, Lösungen, Vorschläge etc. werden durch das Spiel eher nebensächlich. Viel wichtiger dagegen ist, welcher Seite des politischen Spektrums man angehört. Damit ist alles gesagt. Wie in der Quantenmechanik kommt mit einem Bezugssystem die Relativität ins Spiel, d.h. alle Parameter scheinen absolut und unveränderlich zu sein, aber dies ist nur innerhalb des Systems der Fall, ein objektiver Beobachter außerhalb könnte dies leicht als bloße Illusion wahrnehmen, womit wir wieder beim lachenden Dritten sind.
Die im Spiel vorgegebenen Richtungen sind - ganz der dualistischen Wahrnehmung des Menschen angepaßt - links und rechts. Damit sich diese Pole nun von vornherein im Spiel als etwas gänzlich Unterschiedenes, genauer gesagt als unversöhnliche Gegner begreifen, gilt es die ganz außen als Extremisten zu formieren. Demzufolge finden wir dort Linksradikale und Rechtsextreme, gefährliche Kommunisten und Anarchisten genauso wie Nazis und Neonazis und Faschos usw. und so fort. Ein anderes schönes Sprichwort sagt: Wo zwei sich vertragen, da hat der Dritte nichts zu sagen. Vom Vertragen sollten wir deshalb per definitionem weit entfernt sein. Logisch. Manchmal kommt es vor, daß die Extremisten trotzdem nicht extremistisch genug sind, um ein gutes Feindbild abzugeben. In einem solchen Fall mischt sich der (merkwürdig gut organisierte und bewaffnete) schwarze Block unter linke Globalisierungsgegner und macht richtig Krawall oder es stellt sich heraus, daß die Führungsriege der NPD mit den markigsten Sprüchen eigentlich aus V-Männern des Verfassungsschutzes besteht. Da aber alle im Spiel entweder nur nach links oder nur nach rechts schauen, fallen solche nebensächlichen Details nicht auf. Gut für den Dritten. Wichtig ist nur, daß ein Linker immer Lust verspürt, einem Rechten paar aufs Maul zu hauen und umgekehrt. Wichtig ist der ewige Krieg, der nicht aufhören darf - außen und innen und überall.
Außer dem mysteriösen Dritten gibt es noch die große Masse, die zu bequem ist, sich mit Inhalten und Argumenten zu befassen oder zu dumm, diese zu begreifen. Für diese Masse ist das Große-Rechts-Links-Spiel eine sehr schöne Sache. Es hält Sündenböcke bereit, auf die man alles projizieren kann, was gerade so am Stammtisch für Aufregung sorgt und - ganz wichtig - es stellt einfache Richtungen bereit, wenn das Wahlvolk wieder mal zur Urne gerufen wird. Eine Urne ist ein Gefäß, in dem die Asche von Verstorbenen begraben wird. Das Wahlvolk schreitet also - stolz über seine wichtige Rolle, die es im Spiel zu spielen hat - zur Beerdigung, sprich zur Wahl und gibt seine Stimme einer der vorgegebenen Richtungen resp. Farben im Spiel, beispielsweise einer rechtskonservativen Regierung. Nach einem überschaubaren Zeitraum - lang genug um einiges zu vergessen, kurz genug, um das Spiel nicht aus den Augen zu verlieren - stellt man fest, daß die gewählte Regierung aus Schurken besteht, die die ganze Zeit das Volk nur ausgeplündert und sich selbst bedient haben und keine Lösungen für die wirklichen Probleme in Sicht sind. Daraufhin wechselt die Mehrzahl des Wahlvolkes die Richtung, zum Beispiel nach links und wählt vielleicht eine sozialdemokratische oder grüne oder lila Regierung. Die Zeit vergeht und man stellt fest, daß die gewählte linke Regierung Kriege anderer Leute unterstützt, die Steuern und Abgaben für die kleinen Leute erhöht und die großen Leute senkt. Das Wahlvolk versteht das nicht, hat die Nase voll und wechselt in einer der nächsten Legislaturperioden die Richtung. Da es aber nur zwei Richtungen im Spiel gibt, wählt es also die selben Leute, Parteien oder Koalitionen, die es früher zum Kotzen fand, erneut. Nach einer gewissen Zeit stellt das Volk fest, das die gewählte Regierung … - na ja, ich muß es nicht näher ausführen; es geht halt immer so weiter, von rechts nach links und von links nach rechts, immer schön hin und her. Aber natürlich immer innerhalb des Spiels!
Und dann gibt es noch die Unverbesserlichen, die Ideologen und Sympathisanten, die immer die gleiche Seite bevorzugen, egal was diese Seite treibt, tut oder unterläßt oder wieviel Dreck an ihr klebt. Das sind die sogenannten überzeugten Linken oder die eingeschworenen Rechten. Meistens sind sie sich sehr ähnlich. Identifikation ist alles. Vor allem sind die linken Überzeugungstäter der Meinung, daß es viel besser wäre, wenn es überhaupt keine Rechten mehr gäbe und die rechten Überzeugungstäter überlegen ernsthaft, ob es nicht besser um die Welt stünde, wenn man den Linken ein für allemal den Garaus machen würde. Denn Schuld ist immer die andere Seite, na klar, wer sonst, es gibt ja niemanden anderes - innerhalb des Spiels.
Nun, wo wir die Spielregeln so schön verstanden haben, bleiben zwei Fragen: Erstens was passiert, wenn Leute keine Lust mehr auf das Spiel haben (oder es gar durchschauen) und zweitens: verdammt, wer ist eigentlich nun der lachende Dritte?
Das-Grosse-Rechts-Links-Spiel (Teil II)
Soliton 91 schrieb:
Juchhu, ich kenne die Antwort.
1. Sie werden vom System zermatscht. Die Gefängnisdirektoren stellen die Regeln auf, die Gefängniswärter achten auf die Einhaltung der Regeln und die Insassen prügeln sich mit den Häftlingen um minimale Vergünstigungen. Wer das nicht akzeptiert, passt einfach nicht ins System. Wer nicht ins System passt, wird natürlich vom Immunsystem ausgeschaltet.
2. Der lachende Dritte: Cui bono? Meines erachtens gibt es zur Zeit nur einen Maßstab an dem man den Vorteil messen kann: Geld. Wer das meißte davon besitzt hat auch den größten Einfluss. Wer keins hat, will es. Wer bereits ein dickes Bankkonto hat will mehr.
Mein Vorschlagsliste für die lachenden Dritten:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,474868,00.html
und
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,470730,00.html
Veröffentlicht am 11. April 2007 um 16:02 | Permalink
FC schrieb:
Möglicherweise gehört das Geld jedoch auch nur zum Spiel. Wir haben dann wieder zwei Seiten: die Reichen, die Geld haben und die Armen, die keins haben, aber welches haben wollen. Wäre noch etwas anderes als Geld vorstellbar, das dem Leben einen Sinn geben könnte? Natürlich nicht - innerhalb des Spiels.
Die Reichen sind ein schönes Aushängeschild. Gewissermaßen die Wurst am Baum, nach der der Dackel springt. Doch gibt es nicht hinter dieser Kulisse eine Klasse, die jederzeit den Kapitalmarkt bestimmt, Geld, Aktien, Wertpapiere usw. in beliebigen Mengen nachdruckt und den ganzen finanziellen Zinnober manipuliert? Es ist schwer vorstellbar, daß Leute mit einem solchen Einfluß genauso wie alle anderen nur ein paar bunten Scheinchen hinterherhecheln …
Veröffentlicht am 8. Mai 2007 um 13:14 | Permalink
Soliton 91 schrieb:
Hi,
ich denke der letzte Absatz Deines neuen Artikels trifft die Situation sehr gut:
“Als Negativ-Null-Summen-Spiel wird in der Spieltheorie ein Spiel bezeichnet, in welchem die Regeln so gesetzt sind, dass sich jeder Spieler nach seinem persönlichen Vorteil verhalten muss, welches aber dazu führt, dass am Ende alle Spieler verlieren.”
Wenn es früher tatsächlich Menschen und Gruppen gab, die hinter der Bühne das Spiel inszeniert haben, dann halte ich das 1. für wahrscheinlich und 2. für historisch sinnvoll.
Ich befürchte allerdings, daß das Spiel ausser Kontrolle geraten ist und “ihnen” die Scheiße über den Kopf wächst. Zur Zeit sieht alles nur noch danach aus, als würde lediglich Schadensbegrenzung betrieben.
Der ursprüngliche Hund liegt m.E. viel früher begraben. In der Begründung der Kultur, in der wir Menschen die Krone der Schöpfung darstellen.
Wir ach so klugen Menschen, die es geschafft haben unsere Lebensgrundlagen effizient zu zerstören. In diesem Spiel, in dem eine einzige Eigenschaft erfolg verspricht, macht es Sinn einen “Regisseur” zu besitzen. Die Eigenschaft? Rücksichtlosigkeit. Damit wurde in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder Entscheidungen getroffen. Von klugen Menschen, von dummen Menschen. Keine ihrer sogenannten Entscheidungen kann als nur klug oder nur dumm klassifiziert werden. Nur rücksichtlos sind alle.
Leider sind wir intelligente und rücksichtslose Menschen auch noch Stolz und können unsere vergangenen Fehler nicht zugeben. Deswegen sind wir jetzt wo wir sind.
Wir tuen nicht das, was sinnvoll und vernünftig wäre. Wir versuchen lediglich nicht zu doof auszusehen und unsere Rücksichtslosigkeit zu maskieren.
Alle Behauptungen sind wahr in gewissem Sinn, falsch in gewissem Sinn, bedeutungslos in gewissem Sinn, wahr und falsch, wahr und bedeutungslos, falsch und bedeutungslos und wahr und falsch und bedeutungslos in gewissem Sinn.
Doch ein Lächeln und die Welt ist verändert.
:-)
S-91
Veröffentlicht am 8. Mai 2007 um 21:35 | Permalink
Das-Grosse-Rechts-Links-Spiel (II) - equinox-net schrieb:
[…] Vor Jahren fiel mir in einem Nachrichtenmagazin ein Foto aus dem Bundestag auf. Es zeigte während einer Sitzungspause einige Politiker, die zwischen den Sitzreihen zusammen standen und - das Foto war in dieser Hinsicht eindeutig - sich köstlich amüsierten. Es scheint nun von vornherein nichts Merkwürdiges dabei zu sein, wenn auch Politiker gut gelaunte Menschen sein können, wenn da nicht ein Detail gewesen wäre, das mich verblüffte. Zwei der Politiker, die da mit dem herzlichsten und freundschaftlichsten Lachen der Welt miteinander umgingen, waren zum einen der ehemalige Kanzler Gerhard Schröder und zum anderen eine Abgeordnete der PDS, deren Namen mir entfallen ist, die jedoch zu dieser Zeit wegen ihres punkigen Aussehens und ihrer Nähe zur Kommunistischen Plattform medial immer wieder mal auffiel (vielleicht kann mir jemand mit dem Namen auf die Sprünge helfen?). Zwei ziemlich krasse politische Gegner (der “Kanzler der Bosse” und die Kommunistin), mit ideologischen Ansichten, die diametraler nicht hätten sein können, gaben sich hier als die besten Kumpel zu erkennen. Nun besteht hier eine gewisse Gefahr, in Stammtischmanier miesepetrig und mißtrauisch etwas hineinzudeuten, was in dieser Szene vielleicht gar nicht vorhanden war, nichtsdestotrotz bringt es uns zu unserem Thema, dem Großen-Rechts-Links-Spiel und seinen Protagonisten, noch einmal zurück und obendrein einige neue, überraschende Gedanken dazu. Denn wenn wir schon von einem Spiel sprechen, wäre es doch einmal interessant, einige Aspekte desselben unter dem Blickwinkel der Spieltheorie zu betrachten. Im ersten Teil dieses Beitrags sind wir beim Großen-Rechts-Links-Spiel automatisch und etwas voreilig von einem Nullsummenspiel im Sinne der Spieltheorie ausgegangen. Manchmal versteht man umgangsprachlich unter einem Nullsummenspiel, daß niemand etwas gewinnt oder verliert, aber das ist falsch. Ein klassisches und mathematisch korrektes Nullsummenspiel ist ein Spiel, bei dem auf der einen Seite gewonnen, was auf der anderen Seite verloren wird. Politisch gesehen haben wir also - z.B. bei einer Wahl - einen eindeutigen Gewinner und einen eindeutigen Verlierer; der eine übernimmt Regierungsverantwortung, der andere geht in die Opposition. Die eingangs geschilderte Szene scheint jedoch - zumindest beispielhaft - zu demonstrieren, daß ein Nullsummenspiel zur Beschreibung der politischen Gegebenheiten an der Realität vorbeigeht. Dies hatten wir schon irgendwie geahnt, denn ein Nullsummenspiel würde zum einen den lachenden Dritten außerachtlassen, zum anderen geht es den Verlierern ausgesprochen gut (Ämter, Ausschüsse, Kommissionen, Einfluß, fette “Diäten” und Renten, Spesenabrechnungen, Dienstwagen, Büros, hübsche Sekretärinnen, Dienstwagen, Reisen usw.). Die zu einfache Rechnung eines Nullsummenspiels geht demzufolge hier nicht auf, was uns mitten in die sogenannte kooperative Spieltheorie hinein katapultiert. Was wäre, wenn die politischen Seiten nur nach außen - in der theatralischen Kulisse des Spiels - unversöhnliche Gegner wären, dahinter aber, bewußt um die Regeln des Spiels wissend, kooperieren und gemeinsam profitieren? Wenn man die Skandale in Wirtschaft und Politik der letzten Zeit verfolgt hat, liegt es nicht fern, das Maß für diese Kooperation im persönlichen Vorteil des einzelnen Mitspielers anzunehmen. Das ist nun wirklich nichts Neues. Auf der Ebene der politisch herrschenden Klasse finden wir also ein Spiel vor, das im Großen und Ganzen nur Gewinner hervorbringt (von einzelnen politischen Subjekten abgesehen, die einmal in Ungnade gefallen, vom Selbstbedienungstrog verstoßen werden oder - selten genug - aus Gewissensgründen das Spiel von sich aus verlassen). Mit anderen Worten: das was wir unbedarften Leute gemeinhin für Alternativen halten, sind gar keine. Das stürzt uns in ein spieltheoretisches Debakel, das wir nur mit Hilfe eines echten Mathematikers lösen können, in diesem Fall Prof. Dr. Christian Rieck von www.spieltheorie.de. Prof. Rieck kann man nichts vormachen, denn von einem ganz anderen Ausgangspunkt her ist ihm der merkwürdige Umstand der Kooperation bei eigentlich gegnerischen Spielpartnern ebenso aufgefallen: “Die CDU wollte die Mehrwertsteuer um 2 Prozentpunkte anheben, die SPD gar nicht - beide zusammen heben sie um 3 Prozentpunkte.” Ein weiterer interessanter Gesichtspunkt: Da offenbar immer mehr Menschen das Große-Rechts-Links-Spiel durchschauen und aufgrund des Fehlens wirklicher Alternativen eine Wahl, die keine ist, ablehnen oder in Verwirrung geraten, haben wir mittlerweile keinen eindeutigen Sieger mehr, sondern eine Große Koalition. D.h. Leute, die früher - eigentlich, im Sinne des Spiels - politisch spinnefeind (man erinnere sich an “die Spinne”) waren, vertragen sich nun - im “Interesse des Landes” - ausgesprochen gut. Kooperiert wird nicht mehr hinter den Kulissen, sondern ganz offen und ungeniert. Schlechter gehts nicht, denn alles was man früher im Sinne einer bestehenden Opposition nicht beschließen konnte, beschließt man nun gemeinsam und im besten Einvernehmen, wie auch Prof. Rieck kritisch bemerkt. Er stellt sich und uns daraufhin die interessante Frage: “Wenn wir wählen dürfen, ob wir wählen dürfen, nehmen wir dann an?” Die Beantwortung ist mathematisch nicht so trivial, wie man denken mag, das letztendliche Fazit verblüffend: “Ob das Wahlrecht für uns wertvoll oder wertlos ist, hängt demnach nicht davon ab, ob wir die beiden Alternativen überhaupt gut oder schlecht finden, sondern ausschließlich davon, wie sehr sie sich voneinander unterscheiden.” Da die Ableitung dieses Ergebnisses auch für Nichtmathematiker bemerkenswert ist, möchte ich Prof. Riecks Überlegungen dankenswerterweise kurz vorstellen: Wir haben die zwei Alternativen F und K, die wir wählen können (wollen) und den Wert W, der den Wert unseres Wahlrechts oder den “Gewinn” ausdrückt, den wir durch die Ausübung unseres Wahlrechts erzielen. Da ein Einzelner den Ausgang der Wahl nicht beeinflussen kann (erstrecht nicht, wenn wir den “Dritten” als Entscheider außerhalb des Spiels nicht vergessen), kommt das Wahlergebnis einer Lotterie gleich, d.h. wir bekommen F und K mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit p. Mit 100%iger Wahrscheinlichkeit bekommen wir entweder den einen (F) oder den anderen (K), d.h. wenn p die Wahrscheinlichkeit dafür ist, daß F gewinnt (unser Favorit), ist 1 - p die Wahrscheinlichkeit für K. Daraus leitet sich folgende Formel für W ab: […]
Veröffentlicht am 14. November 2009 um 22:50 | Permalink