Baal in der Uhlstädter Heide

Im Aufsatz “Baal - eine mythologisch-kabbalistische Reminiszenz” (enthalten in meinem Buch “Schlange und Messias”) vertrete ich die These, daß der kanaanitische Fruchtbarkeitsgott Baal bereits im Alten Europa als Baldr (bei den nordischen Völkern), Balder bzw. Phol (bei den Germanen), Bel (bei den Kelten) oder Belobog bzw. Bilo (bei den Balten und Slawen) bekannt war und dort im Grunde den gleichen mythologischen Platz einnahm. Wie man an Balders Attributen leicht feststellen kann, war er zudem der weit verbreitete und beliebte Weiße Gott, der Witte (Weiße), der Gott des germanischen Witlands, der nach der Christianisierung als Heiliger Vitus weiter die alte Verehrung genoß.[1] Wie an vielen Stellen berichtet, sah man einen Weißen Stier als Baals göttliches Ebenbild auf Erden an.
Baal wird außerdem mit dem Eichenkönig in Zusammenhang gebracht, über den James Frazer in seinem monumentalen Werk “Der Goldene Zweig” ausführlich berichtet. Der Eichenkönig herrscht über die erste Hälfte des Jahres, hat zu Bel-tane sein Hochfest und wird zur Sommersonnenwende getötet - der Zeitpunkt, ab dem die Tage wieder kürzer werden und die Dunkelheit die Überhand gewinnt. In der zweiten Jahreshälfte residiert dann der Stechpalmenkönig, doch die englische Bezeichnung für Stechpalme, holly, zeigt, daß wir es hier im ursprünglichen Sinne mit Hel zu tun haben.[2] In Kanaan wird nach den in Ugarit gefundenen Texten Baal von Mot, dem Tod, überwältigt und muß in die Unterwelt hinabsteigen. Im germanischen Europa wird Balder durch Lokis Ränke von seinem blinden Bruder Hödur getötet und tritt ebenso die Reise in die Unterwelt Hel an. Im europäischen Mythos treffen wir Mot übrigens - wenngleich in seiner ursprünglichen Funktion verschoben - zum einen als Hermod an, der nach Balders Tod zur Hel reist [3], zum anderen als Modgund, die Wächterin an der Grenze zur Hel.
Im christlichen Jahreslauf werden die Sommersonnenwende und ihre Ritualfeuer bis zum heutigen Tag durch Johannis und das Johannisfeuer am 24. Juni repräsentiert und in der Tat können wir in Johannes (dem Täufer) Baal-Balder wiedererkennen, denn sein berühmter auf Jesus Christus zielender Satz “Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.” setzt ihn in direkte Beziehung zum Eichenkönig. Die christlichen Johannisfeuer sind etwa seit dem 12. Jh. überliefert und wurden/werden auf markanten Bergen und Hügeln zelebriert. Wir können dabei mit gutem Gewissen davon ausgehen, daß es sich um die Fortsetzung eines heidnischen Brauchs zur Sommersonnenwende handelt, dem man von kirchlicher Seite nicht beikommen konnte, insbesondere wenn man bedenkt, daß Baldag die alte Bezeichnung für den Johannistag war. Den Name Johannes kann man in diesem Sinne als Io-An entziffern, was aus dem Griechischen abgeleitet ‘Heil dem Sein’ bedeutet.[4] Die angeblichen christlichen Heiligen St. Alban von Mainz und St. Alban von England (die vermutlich nie existierten) haben ihre Namenstage am 21. und 22. Juni, also genau zur Sommersonnenwende. Ihr Name verweist auf lat. albus, das weiß, hell, licht bedeutet. Sowohl Johannes als auch die beiden Albans wurden der Legende nach enthauptet, was wiederum ein Beleg für ihre eigentliche Identität sein könnte.
Daß wir es hier nicht mit an den Haaren herbeigezogenen Märchen, sondern ganz im Gegenteil mit lebendiger Geschichte und demzufolge mit unseren eigenen Wurzeln zu tun haben, zeigt die Tatsache, daß wir diesen Mythen verbreitet in Orts- und Flurnamen wiederbegegnen. Bezüglich Baals habe ich darauf bereits in “Schlange und Messias” ausdrücklich hingewiesen (u.a. S. 48ff), bin jedoch nicht näher auf dieses interessante Thema eingegangen, da es einen genaueren regionalen Bezug erfordert. Vor kurzem stieß ich jedoch auf einer Wanderung mehr durch Zufall auf ein Gebiet, das quasi ein Paradebeispiel für die geschilderten Zusammenhänge darstellt. Hier bietet sich die Gelegenheit an, das Versäumte nachzuholen.
In der Nähe meiner thüringischen Heimatstadt Jena, etwa 25 km südwestlich dem Saaletal in Richtung Rudolstadt folgend, befindet sich direkt an der Saale die kleine Ortschaft Uhlstädt. Südlich von Uhlstädt, unmittelbar hinter dem rechten Ufer der Saale beginnend, liegt die sogenannte Uhlstädter Heide, die heute zum größten Teil als Naturschutzgebiet ausgezeichnet ist. Das erste was schon bei der Betrachtung dieses Gebietes auf einer Karte auffällt, ist die Tatsache, daß die zwei waldreichen langgestreckten Bergrücken (die Hintere und die Vordere Heide) mit Höhen zwischen 300 und 480 m ü.NN kaum landschaftlich als “Heide” zu bezeichnen sind.[5] Es sei denn, wir fassen Heide nicht nur im üblichen Sinne als weite, offene, mit Heidekraut bewachsene Gegend auf, sondern als (einstigen) Wohnort von Heiden. Über die Herkunft des Begriffs Heide ist viel geschrieben oder vielmehr gerätselt worden.[6] Die oft anzutreffende übersetzerische Gleichstellung mit dem lateinischen Begriff paganus scheint aus sprachgeschichtlichen Gründen nicht stimmig zu sein; ob Heide (urgerm. haithanas, ahd. heidan, ags. haeden, isl. heidinn, engl. heathen, mhd. heiden usw.) schon in vorchristlichen Zeiten als unabhängige Selbstbezeichnung im Sinne von ‘Angehöriger einer Kultgemeinde’ Bestand hatte oder erst aus römischer, später römisch-christlicher Sicht als pejorative Bezeichnung der Anderen/ Fremden/ungebildeten Landbewohner (im Gegensatz zum gebildeten römischen Städter) aufkam, ist ebenso ungewiß.[7] Wirklich klar ist nur, daß im Zuge der Christianisierung die Abwertung im kulturellen, religiösen und ethnischen Sinn den eigentlichen Bedeutungsschwerpunkt übernahm: “Der Heide ist der Ungläubige, Gottlose, Kulturlose, Grausam-Barbarische, der noch nicht mit der Wahrheit in Berührung gekommene, aber auch der Unbelehrbare, der ihr trotz entsprechender Missionsangebote entsagt …”[8] Da die nicht selten mit gewaltsamen Mitteln verkündete “christliche Wahrheit” von den Zentren aristokratischer, klerikaler und urbaner Macht aus verbreitet wurde, ist es gut vorstellbar, daß die Kultur und Religion der Altvorderen besonders in der Übergangsphase in ländlichen und infrastrukturell abgeschiedenen Enklaven weiter gelebt und überliefert wurde. Wichtige heidnische Kultzentren wurden entweder zerstört oder durch Kirchenbauten christianisiert. Wo dies aufgrund des anhaltenden Widerstands der einheimischen Bevölkerung oder geographischer Gegebenheiten nicht möglich war, gab man der Methode der Verteufelung den Vorrang. Die jahrhunderte- oder gar jahrtausendelang aufgesuchten heiligen Stätten wandelten sich nun zu gruseligen Plätzen des Teufels, die im Zuge des allmählichen Vergessens tabuisiert und von “rechtschaffenen” Bürgern (= Christen) gemieden wurden. Da der mittelalterliche Teufel eine Erfindung des Christentums ist, muß man die heute noch in der Landschaft oft anzutreffenden Teufelsberge, Teufelssteine, Teufelsgründe, Teufelsschluchten, Teufelstäler und Teufelsseen als ursprüngliche heidnische Wohn- und/oder Kultplätze ansehen.
Doch kommen wir zur Uhlstädter Heide zurück. Zweifellos war sie schon in alter Zeit ein historisch und kulturell bedeutsames Gebiet. Davon zeugen eine Vielzahl von Sagen, interessante Flurbezeichnungen, Steindenkmale, alte Handelswege und Gerichtsstätten. Besonders erwähnenswert ist der Sammelstein in unmittelbarer Nähe zum Johannishut, der im Volksmund ebenso wie der Berg hieß und von dem es eine Sage gibt, daß sich an ihm die “alten Heiden” in der letzten Zeit ihres Bestehens versammelt hätten, um einen “Götzen” zu verehren.[9] In dieser Gegend, deren heidnische Prägung offensichtlich ist, finden wir nun auf einer Fläche von nur sieben Quadratkilometern ein recht auffälliges Ensemble aus zwei Johannisbergen (Johannesberg 411 m und Johannishut 450 m) und einem Teufelsberg (415 m) nebst dazugehörigem Teufelsgrund! Wenn wir nach dem bisher Gesagten davon ausgehen, daß diese Berge alte heidnische Sonnenwendberge und Kultplätze des “Deibels” (= Deus Bel!) waren, dann würden zusätzliche Hinweise auf den Weißen Gott diese These bestätigen. In der Tat finden wir diese Bestätigung in unmittelbarer Nähe gleich nördlich der erwähnten Berge. Dort mündet der Teufelsgrund in ein schmales idyllisches Tal ein, in dem das kleine Dörfchen Weißbach am gleichnamigen Bach liegt. Doch nicht genug, denn das Weißbachtal führt hinab zur Saale, an deren Ufer sich der Ort Weißen befindet. Ganz in der Nähe, oberhalb des Saaleufers, erhebt sich noch heute die Weißenburg und gleich daneben finden wir das Weißeneck!

Uhlstaedter Heide

Auffällig ist das hohe Alter der erwähnten Orte: Uhlstädt wird schon 1083 als Olstede erstmalig urkundlich erwähnt, doch Bodenfunde aus der Hallstatt-Zeit lassen schon eine keltische Besiedlung im 7.Jh. v.u.Z. vermuten. 1083 wird auch Weißen erstmalig als Wizne erwähnt. Weißbach taucht historisch 1498 auf; die Weißenburg (”Wizzenburg”) entstand möglicherweise im 13. Jahrhundert. Die ursprünglich über 40 Steinstufen erreichbaren “Schleiflöcher” unter der Burg bestanden aus Nischen, Gängen, Löchern und Kammern, die aus dem Fels herausgehauen waren und möglicherweise noch aus urtümlicherer Vorzeit stammten (heute aus Sicherheitsgründen verschlossen). Bei all diesen Jahreszahlen dürfen wir nicht vergessen, daß diese erstmaligen historischen Belege (meistens in Form von Besitzstandsurkunden) rein gar nichts darüber aussagen, wie lange die Orte vorher schon bestanden, erstrecht nicht in schriftlosen Zeiten, in denen man noch nicht auf den absurden Gedanken gekommen war, den Grund und Boden, auf dem man lebte und den man als heilig verehrte, als Eigentum zu beanspruchen oder gar zu veräußern.
Interessant ist auch die Lage der Weißbacher Kirche, deren heutiger Bau zwar erst 1834 errichtet wurde, die jedoch offenbar schon in älteren Zeiten bestanden haben muß und nicht im Ort, sondern direkt unterhalb des Teufelsberges liegt.[10]
Lassen wir unseren Blick noch etwas weiter umherschweifen, so entdecken wir noch auf der anderen Seite des Weißbachtals den Scheitberg, ein Name, der unwillkürlich erneut Assoziationen zu Feuer oder auch Scheiterhaufen erweckt. Ob man traditionell auf dem Scheitberg das Holz für die Johannisfeuer schlug, ganz im Sinne von Goethes Satz “dann flammen reisig und scheite, und die erwärmete nacht wird uns ein glänzendes fest”, oder sich auf dem Berg ein eigener heiliger Feuerplatz befand, sei dahingestellt und kann vermutlich heute nicht mehr hinreichend beurteilt werden.
Dagegen interessanter scheint mir noch der Elsterberg zu sein, der sich nordwestlich über dem Teufelsgrund erhebt. Wenn wir uns in Erinnerung rufen, daß zur Sommersonnenwende Baal-Balder die Reise zur Hel antrat, so wirkt es alles andere als zufällig, wenn gerade die Elster in der germanischen Mythologie als Götterbotin und Vogel der Hel galt! Wie viele andere mythologische Tiere, Pflanzen, Plätze und Symbole des alten Heidentums erlitt auch die Elster in der Zeit der Christianisierung eine Umdeutung ins Unheilvolle und Teuflische. Schon ab dem frühen Mittelalter sah man sie als Unglücksbotin und -bringerin an, als “Galgenvogel”, “Seelenräuberin”, mit Hexen in Verbindung stehend oder gar als Hexe selbst. Die Tatsache jedoch, daß man z.B. in Frankreich, Deutschland und Schottland glaubte, es würde Unglück bringen, eine Elster zu töten, zeigt den ursprünglich heiligen Status dieses Vogels an. Überliefert sind Volksbräuche, bei denen man kleine Geschenke, Lorbeer- oder Heidezweige für die Elster in die Büsche steckte. Das paßt wenig zum übel verleumdeten Vogel, der nach christlicher Vorstellung einen Tropfen Blut Satans unter seiner Zunge trägt. Einen Hinweis auf die dahinter steckende heidnische Symbolik steckt zudem in der interessanten Geschichte, daß es angeblich gerade die Elster gewesen sein soll, die bei Jesu Kreuzigung keine Trauerlieder angestimmt habe.[11] Der Name der Elster beginnt mit der Ursilbe Al(s), die immer eine Verbindung zum Göttlichen aufzeigt, z.B. im deutschen Al(l), hebräischen Al (= Gott) oder dem höchsten Gott Kanaans El. Aus dem ursprünglichen ahd. agalstra für Elster haben sich durch verbrämenden Sprachgebrauch im Laufe der Zeit viele Synonyme entwickelt, u.a. Agalster, Agelster, Atzel oder Hatzel. Auf diese Weise könnte die Atzel Patin für die Namensgebung von Etzelbach gewesen sein, den unmittelbaren Nachbarort Weissens!
Bei Uhlstädt ist natürlich noch ein weiterer heiliger Vogel in unserem Zusammenhang zu diskutieren - die Eule oder Uhl (siehe das Uhlstädter Wappen). Ganz ähnlich zur Elster finden wir in der Eule einen schon in der Antike verehrten heiligen Vogel vor, der im Zuge der Christianisierung zur Unglücksbotin und zum Hexenvogel[12] avancierte und wie andere dämonisierte heidnische Wesen Wotans Wildes Heer begleitete. Schließlich konnte sich des Teufels Großmutter in eine Eule verwandeln; man höre und staune, was man sich unter der Herrschaft der christlichen “Kultur” für naive Absurditäten ausdenken konnte. Wenn man allerdings weiß, daß des Teufels Großmutter vermutlich die griechische Göttin Athene gewesen sein muß, deren heiliges Symbol die Eule war, bekommt wieder alles einen Sinn. Hinter Athene verbirgt sich nämlich Athana oder Ath-Anna, eine rätselhafte nichtantike Göttin der Vorzeit, deren Verwandtschaft zu Ana, Dana, Diana, Danu, (N)Anna (der Frau Balders) oder Anat (der Schwester-Geliebten Baals) kaum von der Hand zu weisen ist. Athene wurde übrigens gern als eulenäugig bezeichnet, was ein beliebter Euphemismus für ihre erotische Schönheit war.
Wenn man hinter all diesen Details, Geschichten und mythologischen Einzelheiten nicht den eigentlichen Zusammenhang aus den Augen verliert, so ersteht vor unseren Augen eine uralte heilige Landschaft, deren Gestalt und Örtlichkeiten nicht einfach so vom Himmel gefallen oder aus dem Nichts rein zufällig entstanden sind, sondern eine ganz und gar sinnvolle und bedeutungstragende Struktur bilden. Diese inhärente Bedeutung, die eng mit unseren heidnischen Kulturwurzeln verbunden ist, tritt mal mehr, mal weniger dicht hervor, ist aber in ihren Grundzügen über enorme Zeiträume hinweg erhalten geblieben. Spricht man jedoch von heiliger Landschaft, so bewegen wir uns unwillkürlich in den Gefilden einer jahrtausendealten Wissenschaft - der Geomantie. Die Geomantie betrachtet(e) die Landschaft als lebendigen, heiligen Organismus, von Göttern und Geistern (oder etwas moderner ausgedrückt, von Energien und Schwingungen) bewohnt und geformt. Menschen der Vorzeit, insbesondere der globalen Megalithkultur, konnten die energetische Struktur dieser heiligen Landschaft wahrnehmen und berücksichtigten diese bei Kultplätzen, Siedlungsgründungen, Straßen, Wegmarken, Vermessungen, Ortsnamen und Flurbezeichnungen. Die neuzeitliche Wiederentdeckung der sogenannten Ley Lines oder Geraden Linien, die quasi die Verbindungen oder Adern innerhalb des heiligen Netzes bilden, führte das moderne Bewußtsein über viele Generationen hinweg in das geomantische Wissen der Vorzeit zurück und ließ uns erahnen, wie großartig und verehrungswürdig die Beziehung unserer Ahnen zu ihrer natürlichen und mythischen Umgebung gewesen ist.
Wenn also alles, was hier bisher zur Uhlstädter Heide gesagt (oder behauptet) worden ist, kein weit hergeholter Unsinn war, so müßte eigentlich diese geomantische Struktur aufzufinden sein. Schauen wir uns dazu folgende Karte an:

Uhlstaedter Heide - Geomantie

Weißen, Johannesberg und Johannishut bilden ein Dreieck, in dem sich der Teufelsberg befindet. Alle erwähnten Örtlichkeiten liegen auf Geraden Linien, die entweder von diesem Dreieck aufgespannt werden oder (wie im Falle des Scheitberges) in unmittelbarem Zusammenhang dazu stehen. Über den Teufelsberg hinweg zieht sich eine Gerade Linie, die vom Johannishut kommend weiter über den Elsterberg bis nach Etzelbach reicht! Eine weitere erstaunliche Linie führt vom Johannihut über den Scheitberg zur Kirche von Uhlstädt. Steht man auf dem Teufelsberg in Richtung Weissen gewandt, so blickt man exakt nach Norden. Eine grobe Messung zeigt überdies, daß einige der wichtigsten Entfernungen annähernd übereinstimmen. Die Strecken a (zwischen Etzelbach und dem Schnittpunkt, der durch zwei der geraden Linien gebildet wird), b (zwischen Weißen und diesem Schittpunkt), c (zwischen dem Teufelsberg und diesem Schnittpunkt) und d (zwischen dem Johannisberg und dem Teufelsberg) betragen alle ungefähr 1700 m, was rund 9 Stadien à 185 m beträgt. Weißen, Weißbach und Weißenburg sind durch ein annähernd gleichschenkliges Dreieck miteinander verbunden.[13]
Ich hoffe, damit ist deutlich geworden, daß heidnische Religion und Mythologie, die Kraft- und Kultplätze unserer vorchristlichen Ahnen, die Landschaft, in der diese Menschen lebten und wie sie diese Landschaft gestalteten und heiligten, eine untrennbare Einheit bildeten - eine erstaunliche Einheit, die bis in unsere Zeit hinein zu bemerkenswerten Entdeckungsreisen anregt. Ich freue mich überdies, wenn es mir gelungen ist, den Blick des interessierten Lesers für solcherart Entdeckungen etwas abseits der allgemein anerkannten (aber deswegen nicht unbedingt “wahren”) Historie zu öffnen.

Weissenburg
Die Weissenburg bei Weissen an der Saale

Kirche von Weissbach
Die Waldkirche von Weißbach

Der Sammelstein
Der Sammelstein in der Uhlstädter Heide

 


Anmerkungen:
[1] Da Baal auch der Gott des Blitzes und des Gewitter(regen)s war, ist der Witte ursprachlich auch mit Wotan (und seiner Wut) und dem Wetter verwandt. Als Gott der Sexualität, der Fruchtbarkeit und des Lebens kehrt der Witte u.a. in Vita (lat. Leben), Vitiator (lat. Verführer, Schänder), Vitulus (lat. Jährling, Kalb, Füllen) wieder.
[2] Das Christentum versuchte verzweifelt, die heidnische Verbindung zwischen der Stechpalme und dem Hochfest des Winterhalbjahres Jul auszurotten. Vergeblich, wie man allerorten zu Weihnachten sehen kann. Robert Graves verwendet in “Die weiße Göttin” für Stechpalme den Begriff Steineiche. Die dabei angeführte lat. Bezeichnung Ilex zeigt, daß es sich um ein und dasselbe Gewächs handelt.
[3] Heer-Mot, die Reise zu Mot oder Herr Mot! Hermod scheint dessen ungeachtet eine synkretistische Figur des Geschehens zu sein, denn natürlich ist er auch Hermes, der mit seinen phallischen Attributen eigentlich Baal selbst repräsentiert. Überdies ist Hermod noch Balders Bruder!
[4] Griech. An oder On bedeutet Sein. Io oder Iu war eine Silbe der Lobpreisung, die in Hymnen (”Io Pan!”) oder auch in Götternamen (Iupater oder Jupiter, Heil dem Vater) überliefert ist.
[5] Im Vergleich etwa: Lüneburger Heide, Dresdner Heide, Senne in Nordrhein-Westfalen oder die Schorfheide in Brandenburg. Daß die Uhlstädter Heide auch schon in früheren Zeiten bewaldet war, beweist eine Übereignungsurkunde aus dem Jahre 1279, in der Graf Hermann von Orlamünde seinem Vetter Günther, Abt zu Saalfeld, die Vogtei über mehrere Dörfer und “seinen Teil des Waldes in der Heide” überläßt.
[6] Knappe, aber übersichtliche Darstellungen mit Literaturangaben finden sich z.B. im “Heidnischen Jahrbuch 2006″, Hrsg. von Daniel Junker und Holger Kliemannel, Hamburg 2005.
[7] siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Heidentum#Etymologie
[8] Müller, Baal; Was ist Neopaganismus? In: Heidnisches Jahrbuch 2006, S. 19
[9] http://www.suehnekreuz.de/thueringen/reichenbach.htm. Auf dem Stein ist auf der einen Seite ein Kreuz und auf der anderen Seite ein Wappen eingeschlagen, weswegen er allgemein als Sühnestein angesehen wird. Man darf jedoch daran erinnern, daß es allgemeiner Brauch war, heidnische Stätten und Steinsetzungen durch Kreuze zu christianisieren. Interessanterweise wird in der von dem christlichen Apologeten Minutius Felix um das Jahr 180 herum verfaßten Schrift “Octavius” das Kreuz ja als heidnisches Symbol bezeichnet! Siehe Seidenstücker, Gustav; Geschichte und Bedeutung einer alten Steinkreuzsage, in: Das Steinkreuz, Jahrgang 10, 1950, Heft 1/2, S.20-28. Andere Steine in der Uhlstädter Heide sind z.B. der Schleierstein, der Wagnerstein und der Zipptoffelstein. Der Schleierstein zeigt ein sogenanntes Scheibenkreuz, dessen Ursprung wohl im heidnischen Sonnenrad zu suchen ist.
[10] Die Sage, daß an der nahegelegenen Hangeiche im Dreißigjährigen Krieg ein Kroate gehängt wurde, weil er einen Abendmahlskelch aus der Weißbacher Kirche gestohlen hatte, ist vermutlich nur eine Legende, bezeugt aber schon Anfang des 17.Jh. eine Kirche in Weißbach. Siehe http://www.suehnekreuz.de/thueringen/reichenbach.htm Ob schon zu Zeiten der Christianisierung möglicherweise eine Kapelle im Weißbachtal errichtet wurde, um der Kraft der heidnischen Kultberge etwas entgegenzusetzen, muß an dieser Stelle Spekulation bleiben.
[11] http://de.wikipedia.org/wiki/Elster#Elster_und_Mensch
[12] in einer sympathischen Variante in den Harry-Potter-Romanen wieder aufgegriffen
[13] Vorbeugend sei an dieser Stelle angemerkt, daß Geomantie nicht Geodäsie ist und unsere Ahnen nicht mit GPS-Empfängern durch die Landschaft gegangen sind. In diesem Sinne drücken die angegebenen Strukturen, Strecken und Entfernungen nicht exakte mathematische Verhältnisse aus, sondern vielmehr wichtige geomantische Beziehungen. Die annähernde Genauigkeit reicht dafür völlig aus, ganz abgesehen davon, daß auch die Vermessungsleistungen der Vorzeit mit den damaligen Mitteln absolut bewunderungswürdig sind.

Literatur:
Cebulla, Frank; Schlange und Messias, Kahla 2002
Jones, Prudence/Pennick, Nigel; Heidnisches Europa, Engerda 1997
Junker, Daniel/Kliemannel, Holger (Hrsg.); Heidnisches Jahrbuch 2006, Hamburg 2005
W. u. J. Grimm; Deutsches Wörterbuch, “Der Digitale Grimm”, Zweitausendeins Frankfurt/M. 2004
Graves, Robert; Die weiße Göttin, Hamburg 1985
Frazer, James George: Der Goldene Zweig, Leipzig 1928

 

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