Christian Klar und der Kapitalismus

Unglaublich! Hat doch der “debile”, “verwirrte”, “gefährliche” und “verblendete” RAF-Terrorist Christian Klar seine Hoffnung auf Freilassung mit einer in der “Jungen Welt” veröffentlichten Grußnote an die Berliner Rosa-Luxemburg-Konferenz selbst zunichte gemacht, indem er an die Teilnehmer schrieb: er hoffe auf die Zeit, um “die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden und die Tür für eine andere Zukunft aufzumachen”. Welche andere Zukunft? Hat man ihm diesen impertinenten Zweifel an der besten aller möglichen Gesellschaftsordnungen nach so langer Haftzeit immer noch nicht austreiben können? Doch es kommt noch schlimmer: In seinem Schreiben prangert Klar ein imperiales Bündnis an, “das sich ermächtigt, jedes Land der Erde, das sich seiner Zurichtung für die aktuelle Neuverteilung der Profite widersetzt, aus dem Himmel herab zu züchtigen und seine ganze gesellschaftliche Daseinsform in einen Trümmerhaufen zu verwandeln.” Wie kommt er zu solch weit hergeholten Äußerungen, die der gesellschaftlichen Realität und dem stetigen Aufbau der freiheitlich-demokratisch-globalen Grundordnung auf diesem Planeten des Jahres 2007 doch so eklatant widerspricht? (more…)

Henry Miller: Sexus

Stephen Mace Nemesis“Wir sind alle des Verbrechens schuldig, des großen Verbrechens, daß wir das Leben nicht voll leben. Aber wir haben alle die Möglichkeit, frei zu sein. Wir können aufhören, daran zu denken, was wir zu tun versäumt haben, und können tun, was in unserer Macht liegt.”
Vermutlich haben schon viele - meistens wohl männliche - Jugendliche zu Henry Miller gegriffen, um den sexuellen Kitzel, das Skandalöse und “Versaute” zu suchen und dann enttäuscht nach ein paar Seiten aufgegeben. Der Grund dafür ist einfach: Es handelt sich um wahrlich große Literatur, die nicht einfach zu lesen ist und alles abverlangt! “Sexus” bildet da keine Ausnahme. In diesem “obszönsten seiner Bücher” (New York Times) findet der Leser nichts Obszönes, jedenfalls nichts, was dieser Bezeichnung im politisch korrekten Wort-Ranking der paranoiden Komm-her-geh-weg-Moral der Mediengesellschaft nahe kommen würde - vorausgesetzt, der Leser ist ehrlich genug, sich einzugestehen, daß dies alles sowieso in einem Winkel seines Kopfes fröhlich vor sich hin sprießt. Ohne ehrliche Selbst-Reflexion kommt man ohnehin nicht weit in diesem “Roman”, denn die gnadenlose Ehrlichkeit des Autors sich selbst und der Welt gegenüber schlägt alles, was ich jemals in dieser Beziehung gelesen habe. (more…)

Klimawandel macht Arbeiter faul

Es tönte diese Woche über alle Medien: die “Forscher” und “Experten” des Kieler Institutes für Wirtschaftsforschung (IfW) im Auftrag der Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF) haben es herausgefunden und amen, wir sind ihnen wieder mal dankbar dafür. Die bedenklichen Folgen des Klimawandels und der Erderwärmung bestehen nicht zuletzt in einer gravierenden Senkung der allgemeinen Arbeitsproduktivität. Ein Arbeitnehmer kommt bei 23 Grad Raumtemperatur auf volle Leistungskraft, bei 30 Grad nur noch auf 70 Prozent, ist da zu lesen. Das muß man sich mal vorstellen. Nach Modellrechnungen der Studie nimmt die Arbeitsproduktivität unter der Einwirkung immer häufigerer Hitzewellen jährlich zwischen drei und 13 Prozent ab, was für die Volkswirtschaft einen Verlust von bis zu zehn Milliarden Euro im Jahr bedeute. Weniger Wirtschaftswachstum weltweit ist die Folge! Mir kamen die Tränen vor Lachen angesichts dieser schrecklichen “Katastrophe”. (more…)

Hurra - Vista ist da?

Die Aufmerksamkeit muß/soll groß sein. Der Makro-Konzern (ihr wißt schon wer gemeint ist) drückt auf Medien, Anbieter, Hardware- und Softwarevertreiber, Computerzeitschriften … Unisono heißt es: Hurra, endlich ist Vista da! Das neue, ultimative Betriebssystem, das noch besser, noch schneller, noch schöner oder einfach nur das Beste ist.
Die Frage ist nur: Wen juckt’s? (more…)

Das Leben der Anderen

Der deutsche Kinofilm “Das Leben der Anderen” (des adligen Regisseurs und Drehbuchautors Florian Henckel von Donnersmarck, mit vielen Preisen ausgezeichnet und einer Oscar- Nominierung versehen) ist wieder einmal neudeutsche Gelegenheit, den unbarmherzigen Blick auf die ach so schreckliche Vergangenheit der Ostdeutschen im “kommunistischen Schreckensregime” der DDR zu kultivieren. Dies ist für die Macher, Lenker und Manipulierer in diesem geplagten Land mehr als vorteilhaft, denn erstens kann man darauf aufbauend den Ossis wieder mal demonstrieren, wie gut es ihnen doch heute in der “freien Marktwirtschaft” geht, zweitens kann man bequem vergessen, daß die sogenannte “Wende” nur ein geplantes Einverleibungsstück des etwas in die Jahre gekommenen Kapitalismus war (und keine Volksrevolution) und drittens lenkt der anklagende Fingerzeig auf die Verbrecher der Vergangenheit herrlich von den Taten der gegenwärtigen Politkriminellen ab.
Denn - und dieses Thema ist aktueller denn je - das Leben der Anderen ist auch für die gegenwärtig herrschende Klasse so interessant, daß eine ganze Reihe von Vorhaben geplant oder in der Umsetzung sind. Gegen die Vehemenz und die Big-Brother-Manie dieser Vorhaben erscheinen die einstigen Spitzelmethoden der STASI wie ein lächerlich anachronistischer Dilettantismus. (more…)