Ihr rettet niemanden
Im Zuge der derzeit grassierenden und ziemlich lächerlich anmutenden Klimahysterie höre ich neuerdings in den Medien desöfteren Sätze wie “Können wir die Erde noch retten…” oder “Wenn wir unseren Planeten noch retten wollen, dann …” u.ä.
Entschuldigung, tausendmal sorry, aber Ihr Paranoiker werdet überhaupt niemanden retten, erstrecht nicht diesen Planeten. Denn einige - eigentlich ganz einfache - Zusammenhänge habt Ihr dabei übersehen:
1. Wenn die Daten stimmen, dann haben wir uns den Salat selbst eingebrockt und die Scheiße fröhlich angerührt. Es war schon immer ganz lustig (in der Politik, im Sozialen, in der Wirtschaft usw.), in Personalunion Probleme zu kreieren und dann (Schein-)Lösungen für diese Probleme anzubieten. So wird aus einem Verursacher schnell ein Held und Retter und die große Mehrheit hat vergessen, daß es einen Verursacher gegeben hat. Im oben diskutierten Fall gibt es leider keine Helden, sondern nur Verursacher und das sind wir - d.h. jeder einzelne für sich und die großen Entscheider, Gremien und herrschenden Klassen, die auf den Lauf der Dinge etwas mehr Einfluß ausüben als Lieschen Müller aus der Bahnhofstraße.
2. Der Mensch hat schon immer unter Größenwahn gelitten. Das vernunftbegabte Tier Mensch war und ist (offensichtlich weiterhin) der Meinung, alles im Griff zu haben, sich selbst, die anderen Lebewesen, die Natur insgesamt sowieso und jetzt halt den ganzen Planeten. Wir sind die Macher, die Manager, die großen Weisen, die Wissenschaftler und Experten, die Praktiker - wir haben immer die Patentlösung - selbst wenn das ‘alles’ wie ein mittlerweile stark sinkendes Schiff aussieht. Es gibt kein Problem, das wir nicht lösen könnten, erstrecht nicht die paar läppischen Probleme, die wir selbst verursacht haben. Ich weiß nicht, ob es für diesen Komplex an Einbildung einen psychiatrischen Fachbegriff gibt, aber es dürfte klar sein, daß diese Weltsicht ziemlich krank ist.
3. Menschen leiden in ihrer neueren Geschichte unter einem verhängnisvollen Irrtum, der sich Eigentum nennt. In einer kapitalistischen, unfreien Marktwirtschaft ist Eigentum das Nonplusultra, sozusagen die Grundbedingung jeglicher Existenz überhaupt. Wer nichts besitzt, ist auch nichts und quasi gar nicht vorhanden. Dies führt zu weiteren, noch verhängnisvolleren Irrtümern. Zum Beispiel, daß wir den riesigen Planeten, auf dem wir weilen (und auf dessen Rinde wir wie ein paar häßliche Käfer herumscharren), mit einem Bankkonto, einer Vase im Schrank, unserem nörgelnden Kind oder einer Lagerhalle voller Spielzeug verwechseln. Kurz gesagt, wir glauben tatsächlich, daß er uns gehört. So als wäre irgendwer gekommen und hätte ihn uns geschenkt. Da diese Vorstellung erneut ziemlich paranoid ist, wurde zur allgemeinen Gemütsberuhigung tatsächlich ein Schenker erfunden, der uns die “Schöpfung” zu unserer freien Verfügung anvertraut hat - Gott. Nachdem wir aufgrund dieser merkwürdigen Verquickung aus Wahnsinn und Religion der Meinung sind, die Erde als Untertan betrachten zu können, paßt es nicht so recht, daß wir diesen ungeliebten, ausgebeuteten, geschundenen und gezwungenen Untertan nun retten müssen. Wozu? Wenn die Kacke richtig am Dampfen ist, werden wir doch in unsere wunderbaren, blitzsauberen Hyperraum-Sternenschiffe steigen und zum nächsten unberührten Paradies fliegen, nicht wahr? Es sei denn, wir erinnern uns daran, daß SciFi nicht nur aus Science besteht, sondern auch aus Fiction …
4. Das sinkende Schiff, das gerettet werden müßte, ist beileibe nicht der Planet, sondern die Menschheit. Wenn überhaupt irgendwer irgendwen rettet, dann möglicherweise der Planet/die Ökosphäre sich selbst. Wie macht Gaia das? Ganz einfach: indem sie sich möglichst schnell (in terratologischen Zeitbegriffen) und möglichst rigoros von den Parasiten befreit, die sie plagen. Die Parasiten sind wir. Das setzt kein vernunftbegabtes Handeln und keinen großen Weltgeist voraus (obwohl selbst das denkbar wäre). Es reichen schon ein paar empfindliche Gleichgewichte, die - einmal gestört - sich ganz von allein wieder einpegeln, indem sie die Störfaktoren beseitigen oder zumindest stark dezimieren - in diesem Fall also uns. Wenn also aufgrund des Klimawandels, der nächsten Eiszeit, einer kosmischen Katastrophe oder was sonst noch so an “Medikamenten” denkbar wäre, die Hälfte aller Arten auf dem Planeten Erde ausstirbt, ist das sehr bedauerlich. Doch sind die Parasiten einmal getroffen, zurückgepfiffen oder beseitigt, werden sich die Ökosysteme OHNE UNS ganz wunderbar erholen, da kann man ganz beruhigt sein. Ob uns diese Erholung zugebillligt wird, muß sich dagegen noch zeigen.
Herzlichen Glückwunsch! An dieser Stelle müßtet Ihr es eigentlich begriffen haben: Ihr rettet niemanden.
Soliton 91 schrieb:
Das Problem ist der ewige Kontrollzwang des Menschen. Langsam aber sicher müsste sich jeder darüber im klaren sein, daß man nichts kontrollieren kann. Letztens habe ich im Spiegel gelesen, daß “uns” der Schimpanse evolutionär überholt hat. An den genauen Zeitraum erinnere ich mich nicht mehr, aber der Schimpanse konnte über 200 Gene durch Anpassung verändern, der Mensch nur gute 90 Gene. Wir verändern lieber unsere Umwelt als uns selbst. Die Rechnung bekommen wir prompt serviert. Ich wünschte die Versuche das Gleichgewicht durch Menschenhand wieder herzustellen könnten funktionieren, aber den Verantwortlichen fehlt eine einzige aber entscheidende Eigenschaft: Erdung, die Verbindung zu Gaia, das Urvertrauen in die Mutter.
Und genau das ist wiederum ein rein gesellschaftliches Problem. Meine Buchempfehlung hierzu: “Auf der Suche nach dem verlorenen Glück” Jean Liedloff ISBN 3-406-32078-3
Veröffentlicht am 1. Mai 2007 um 19:58 | Permalink
Soliton 91 schrieb:
“You who raped our Motherland
I hope you’re rotting down in hell
For the horrors that you sent
To our misfortunate forefathers
Whom you robbed of their birthright
“To hell or Connaught” may you burn in hell tonight!”
Veröffentlicht am 5. Mai 2007 um 16:49 | Permalink
FC schrieb:
Zu diesem Artikel hat sich im Paganrealm-Forum eine Diskussion entwickelt:
http://www.bboard.de/board/ftopic-98073225nx24341-640.html
Veröffentlicht am 9. Juni 2007 um 19:26 | Permalink
Soliton 91 schrieb:
Wenn ich die Diskussion im Forum lese, wird mir schlecht. Ich will jetzt nicht auf jedes einzelne Argument eingehen (und ich hätte wirklich zu allem was zu sagen). Mein Eindruck ist folgender: Neo-Anarchistisch-Germanische-Öko-Liga
Allein die Naturkatastrophen den Riesen zuzuordnen… als Riesenfreund lege ich da vehementen Widerspruch ein.
Die guten alten 68er haben auch Karriere gemacht, die Forumsteilnehmer werden das ebenfalls irgendwann schaffen. Wir sehen weiter, wenn in 20 Jahren die ersten zur Bundestagswahl antreten. Gerne würde ich diese Karrieren verfolgen.
Mein Vorschlag ist mehr homoöpathischer Natur. Einzelne Menschen können große Veränderungen bringen, wie oben so unten.
Niemand ist aus purem Zufall da wo er ist.
Veröffentlicht am 11. Juni 2007 um 10:05 | Permalink
siegfried schrieb:
Mein Lieber Frank,
als ich Ihren, ja was ist das eigentlich, Artikel? Essay? große Erkenntnis?, las , ist mir ein Schauer nach dem anderen den Rücken runter gelaufen. Da wußte ich noch nicht, dass wir einen durchaus vergleichbaren Lebenslauf haben. Ich bin auch aus der ehemaligen, hab auch dort studiert, sogar in Jena, aber nur als Fernstudent.
Dabei sind die uns prohezeiten 6-8m Meeresanstieg geradezu lächerlich, das Problem könnte die Menschheit tatsächlich lösen. Die letzte Eiszeit hat uns bisher 120 m Anstieg beschert, und das in vermutlich 3 Intervallen, denen wir die ca. 600 Sintflutmythen zu verdanken haben, die die Menschheit bewahrt hat. Sicherlich nicht aufgrund einer bürokratischenFestlegung der untergegangenen Zivilisationen.
Nach meiner Auffassung trifft Ihre Charakteristik exakt den Kern: Der Mensch ist eine pararitäre, staatenbildende Lebensform, vergleichbar mit Termiten, weniger mit Ameisen, weil die reinigende Funktion fehlt. Die Lösung des Problems für die global Populationen ist denkbar einfach: der Kammerjäger muß die Schädlingenmöglichst vollständig ausrotten. Das ist kein menschliches, sondern ein ausnahmsweise von Menschen ebenfalls erkanntes logisches universelles Prinzip.
Wahrscheinlich ist der ganze Spaß schon einmal -oder mehrmals - abgelaufen, wir wissen ja von unserer Existenz seit mehr als 1 Moi. Jahren nur etwas von den letzten 10.000, wir können also hoffen, dass Mutter natur diesmal etwas gründlicher mit unserer Vernichtung ist - oder auch nicht, wieso hat sie die Pest nicht schon viel früher ausgerottet… ja, und das gibt uns doch wieder Hoffnung, oder?
Fazit: wer was tun will, um die Natur zu unterstützen, sollte einen Feldzug gegen die Armut anzetteln, denn reiche menschen verweigern die Vermehrung! Auf meinen Reisen für den parasitären menschenverachtenden Kapitalismus sehe ich nur da den größten Kindersegen, wo die Leute zu arm und zu blöd sind, die Konsequenzen ihres Tuns zu begreifen. Wer Geld hat, setzt nicht solche Plagen ins Nest, die ihn wieder an den Bettelstab bringen.
Vielleicht regts doch zum Denken an, hört auf zu zeugen, in wenigen Jahren steht eh Gefängnis drauf!
Siegfried
Veröffentlicht am 8. Juli 2007 um 15:21 | Permalink
Soliton 91 schrieb:
Sicher eine gute Idee, die Intelligenten vermehren sich nicht mehr, sterben aus und die Dummen machen solange weiter bis der Planet endgültig den Bach runter geht…
Veröffentlicht am 25. Juli 2007 um 17:47 | Permalink
FC schrieb:
An dieser Stelle wäre es allerdings sinnvoll, sich überhaupt erstmal darauf zu einigen, was man unter Intelligenz verstehen will. Selbsternannte Intellektuelle, Experten, Wissenschaftler, Rationalisten, Politiker und die Leute mit dem sogenannten “gesunden Menschenverstand” würde man sicher landläufig als intelligent einstufen, aber ich bezweifle, daß die irgendeine wirkliche Lösung egal für welche Probleme anbieten können. Oder wenn sie sie anbieten können (ich denke da z.B. an die Wissenschaft und Technik), dann sind sie aus anderen Gründen nicht daran interessiert die Lösungen auch umzusetzen, weil es Interessen, Machtfaktoren, Einfluß, Profit etc. zuwider läuft.
Veröffentlicht am 1. August 2007 um 19:01 | Permalink
Soliton 91 schrieb:
Smi²le; wir könnten uns zumindest auf das i² einigen
Veröffentlicht am 4. August 2007 um 22:21 | Permalink
FC schrieb:
Gern! Auf Space Migration kann ich momentan noch gut verzichten
und Life Extension wird uns armen Schluckern so bald nicht gewährt werden, bleibt also nur unsere Intelligenz zu steigern!
Trotzdem ist es interessant zu fragen, worin Intelligenz eigentlich besteht. Vermutlich werden wir nur eine stark anthropozentrisch geprägte Antwort darauf finden, etwa: Intelligent ist, wenn ich mir ein Auto ausdenken und herstellen kann, daß mich schnell an einen anderen Ort bringt. Andererseits sind möglicherweise Delphine oder gewisse Außerirdische viel intelligenter als wir, weil sie gerade NICHT tun, was wir tun, und zwar weil sie die Konsequenzen ihres Tuns viel besser einschätzen können als wir, die auf Teufel komm raus alles umkrempeln, was uns in den Weg kommt.
Mit der “Vermehrung” hab ich auch so meine Probleme. Irgend ein Biologe hat mal gesagt, nicht das Programm (er meinte wohl so etwas ähnliches wie einen DNS-Gott) ist für die Lebewesen da, sondern umgekehrt. Das würde allerdings bedeuten, daß die evolutionäre DNS-Intelligenz in ihrer Entwicklung wohl kaum auf die Intelligenz oder Dummheit eines einzelnen Individuums Rücksicht nimmt, sondern vermutlich viel umfassendere und für uns wahrscheinlich unverständliche Ziele verfolgt.
Veröffentlicht am 5. August 2007 um 20:05 | Permalink
Soliton 91 schrieb:
Statt grauer Life Extension ziehe ich doch lieber die gute alte Intensivstation vor. Also… Du weißt schon was ich meine.
Intelligent finde ich jemanden, der sich selbst als Hirte dieses Planeten sieht. Fritz Leiber ´s Wanderer ist eine nette Geschichte über ein Volk, das ihren Planeten zum “wandern” durch die Galaxis benutzt. Warum eigentlich nicht? … auf der guten alten Erde durch die Gegend zu flitzen ist bestimmt spannend.
Ansonsten finde ich Leute die Autos erfinden nicht intelligent sondern einfach nur stinkfaul.
;-)
Veröffentlicht am 6. August 2007 um 20:27 | Permalink
Kralle schrieb:
Eine Frage an Soliton 91 (dem es schlecht wurde *lach*):
Warum Naturkatastrophen mythologisch nicht den Riesen zuordnen? “Katastrophen” sind das doch lediglich in den Augen der Menschheit. Von Seiten der Natur her gesehen, sind es schlicht und einfach sinnvolle Gewalten…
Anarcho-ökologische Grüße,
Kralle
Veröffentlicht am 24. August 2007 um 20:54 | Permalink
Soliton 91 schrieb:
Hi Kralle,
es macht keinen Sinn, den Riesen die Naturkatastrophen unterzuschieben. Die Riesen sind die ursprüngliche Natur an sich mit allem drum und dran. Die Katastrophen resultieren aber aus unserer ureigensten Unfähigkeit im Einklang mit der Natur zu leben. Ist meistens der schnöde Lauf der Dinge, Mensch greift in die Natur ein, Natur macht was sie halt macht, Mensch versucht den Fehler zu korrigieren und greift weiter ein und weiter ein und weiter ein, bis er ordentlich eine aufs Maul bekommt. Ein Erwachen der Riesen hat es wahrscheinlich irgendwann mit dem Urknall gegeben und wenn sie uns nicht freundlich gesinnt wären, dann wären wir schon längst weg vom Fenstersims.
Önologisch-kopfologische Grüße
Sol-91
Veröffentlicht am 29. August 2007 um 20:56 | Permalink
Kralle schrieb:
Hoi Sol-91!
Ich sehe, so weit sind unsere Sichtweisen gar nicht entfernt.
Auch ich möchte den Riesen keinesfalls etwas in die Schuhe schieben… ; )
Vielmehr betrachte ich sie als mythologische Personifikationen der eher chaotischen Urgewalten, die sich bei den sogenannten “Naturkatastrophen” eben gerne äußern. Sie sind in ihrem Charakter ebenso sinnvoll und bejahenswert als die ordnenden Kräfte der Natur - auch ohne Mensch.
Keine Frage: Wir ernten, was wir sähen und das ist unbedingt notwendig - hier stimme ich dir gerne zu.
Nein, es werden keine Riesen verteufelt *lach*. Im Gegenteil…
Mit Politik und Demonstration ist sicher nichts zu retten - falsche Adresse. Was man tun kann, ist das, was man selbst tut. Wobei es hierbei wohl eher auf das sein-lassen ankommt…
Es können durchaus und gerade vom Einzelnen Keime gesetzt werden, die unabhängig wachsen…
Ein “Hoch” auf die Riesen - Prost,
Kralle
Veröffentlicht am 30. August 2007 um 12:01 | Permalink
Soliton 91 schrieb:
Na, Prost Kralle, da erheb ich mein Horn!
Ich denke mal, Dir wird auch schlecht, wenn der persönliche Charakter des Interpreten die Riesen färbt und ein ganz und gar konditioniertes Götterchen- bzw. Dämönchenbild dabei rauskommt. Brrrrrrrrrrr….
Veröffentlicht am 1. September 2007 um 21:02 | Permalink