Geständnis
eines Bundesbürgers im Jahre 2020
Lieber Innenminister, liebe Bundespolizei, lieber Verfassungsschutz,
aus aktuellem Anlaß möchte ich Ihnen folgendes mitteilen: mein Name, meine persönlichen Daten, mein Lebenslauf, mein Bildungsweg und meine derzeitige Adresse (wie auch alle vorherigen Adressen) sind Ihnen bestens bekannt. Die mehr oder weniger gewöhnlichen Umstände meiner Geburt sind genauestens dokumentiert, ebenso alle meine Kinderkrankheiten, alle schulischen Leistungen, erteilten Einschätzungen, Noten und Zeugnisse, die Namen und Daten meiner Eltern, Kindergärtnerinnen, Erzieher und Lehrer, Seminarleiter, Mentoren, Dozenten und bisherigen Arbeitgeber. Genau festgehalten wurden alle meine biometrischen Daten, Körpermaße und Behinderungen, Augen- und Haarfarbe, Körpermale und -besonderheiten. Meine DNS ist seit längerem in der Bundesdatenbank für genetische Fingerabdrücke abgespeichert; mein Konterfei wurde aus drei verschiedenen Richtungen fotografiert und ist digital für jede Behörde in Deutschland verfügbar; bei Beantragung meines neuen digitalen Reisepasses sind Fingerabdrücke von drei Fingern jeder Hand genommen worden, ebenso Geruchsproben von mehreren Regionen meines Körpers und meiner Kleidung. Im zentralen Krankenkassen-Archiv ist jede auch noch so kleine ärztliche Behandlung oder Korrektur, jede Impfung, jeder Arbeitsunfall und jede psychologische Beratung oder Therapie exakt dokumentiert, natürlich auch jedes Medikament, das ich jemals genommen habe oder immer noch nehmen muß. Der Grad meiner Sehbehinderung ist ebenso exakt verzeichnet, wie mein spezifisches Keimspektrum, meine Allergien und Unverträglichkeiten, natürlich auch meine Zahnkronen, -plomben und -inlets nach der allgemeingültigen zahnärztlichen Nomenklatur. Die Arbeitsagenturen können Ihnen auf Anforderung jede beliebige Auskunft über meinen beruflichen Werdegang geben, die Firmen, für die ich gearbeitet habe, meine Gehaltsbescheinigungen, meine Sozialbeiträge, meine arbeitslosen Zeiten und Maßnahmen der Weiterbildung und Qualifizierung, an denen ich teilgenommen habe. Vom Finanzamt erhalten Sie schnell und unkompliziert Auskunft über den Inhalt jeder Lohn- oder Einkommenssteuererklärung, die ich jemals abgegeben habe, über mein Vermögen, meine (fehlende) Altersvorsorge, meine abgeschlossenen Versicherungen und Rentenanwartschaften. Das Standesamt oder örtliche Amtsgericht oder beide können Ihnen Auskunft über meine geschlossenen Ehen und die Namen meiner Ehepartner, die nachfolgenden Scheidungen und die gezeugten Kinder geben. Es ist ein Leichtes, Daten über meine Unterhaltsverpflichtungen abzurufen, am besten bei meiner Bank, die Ihnen in diesem Zusammenhang auch gleich alle meine Kontobewegungen, EC- und Scheckkarten-Positionen, Überweisungen, Lastschriften und Einzahlungen übermitteln kann, dazu selbstverständlich Daten über meine Sparbemühungen, Festkonten, Kapitalerträge, leider nur geringe Zinseinnahmen und nicht existierenden Aktien. Die SCHUFA wird Ihnen Namen, Adressen und Daten meiner Gläubiger mitteilen. Anhand dieser finanziellen Informationen ist es ein Leichtes, meine Lebensgewohnheiten bis ins kleinste Detail zu eruieren: an wen ich wie lange schon meine Miete zahle, in welchen Geschäften und Supermärkten ich gewöhnlich einkaufe, in was für Restaurants und Kneipen ich gern gehe und wem ich welche Geschenke und Zahlungen zukommen ließ. Mein Handy-Provider versorgt Sie zudem mit meinem persönlichen täglichen Bewegungsprofil der letzten 12 Monate und darüber hinaus stehen alle Gesprächsdaten, Festnetzgespräche und Faxinhalte von meiner Telefongesellschaft gespeichert zur Auswertung zur Verfügung. Dank den Bemühungen meines Internet-Providers haben Sie Zugang zu allen von mir jemals gesendeten oder empfangenen E-Mails und kennen detailliert mein Surfverhalten, die von mir bevorzugt besuchten Internetseiten und -inhalte gut genug, um sich ein Bild von meinen Hobbys, politischen Interessen, meinem Intelligenzquotienten und meinen sexuellen Vorlieben machen zu können. Auf der Basis der von mir getätigten Online-Käufe wissen Sie, was ich lese, welche Sportarten ich treibe und welche Reisen ich in den letzten 5 Jahren unternommen habe. Die erhobenen Daten und Videoaufzeichnungen der PKW-Maut und meines per Satellit abgefragten GPS-Systems werden Sie mit dem nötigen Wissen versorgen, um einzuschätzen, mit welchem Fahrzeug ich die letzten Jahre wie oft wohin unterwegs war. Es gibt sicher Dutzende Aufnahmen und Schnappschüsse von Überwachungskameras von mir - an Geldautomaten, öffentlichen Plätzen, auf Bahnhöfen, in Märkten und Shopping Malls, auf Konzerten und Demonstrationen, an meinem Arbeitsplatz und bei Verkehrskontrollen. Die RFID-Chips in meiner Kleidung, meinen Schuhen, an meinem Einkaufskorb und auf den Etiketten aller Waren, die ich gekauft habe, verzeichneten meine getätigten Einkäufe bis zum letzten Beutel Müsli, die Illustrierten und Magazine, die ich gelesen habe, auf welche Werbung ich positiv reagiert habe und woran ich vorbeigegangen bin. Auf meiner Homepage können Sie einige meiner persönlichen Ansichten nachlesen, meine politischen Mitgliedschaften und die Vereine, in denen ich ehrenamtlich arbeite, sprechen Bände. Was in dieser Hinsicht noch zu einem umfassenden Bild meiner Persönlichkeit fehlen sollte, wird Ihnen einer der in meiner Nähe arbeitenden Zuträger des Heimatschutzministeriums gern und schnell berichten. Ich weiß nicht, was ich noch an aussagekräftigen Informationen über meine Person vergessen habe. Was es auch immer sei, es läßt sich sicher schnell und ohne Probleme herausfinden. Notfalls können Sie mich in der Nacht abholen, verhören oder foltern, die geltenden Gesetze geben Ihnen das Recht dazu.
Dennoch und trotzalledem muß ich Ihnen ohne Umschweife eines gestehen: ICH WAR’S NICHT.
Deine Versicherungen | Re: ach was wird das die versicherungen freuen - Gesundheitsministerin will elektronische… schrieb:
[…] versicherungenschere idee hat man selten gehoert. > wenn man also in zukunft eine lebensversicherung abschliessen will, > dann sagen die: chipkarte bitte… Erstens mußt Du bei Abschluß einer LV sowieso alle Krankheiten angeben und zweitens will der Gesetzgeber gerade diese Verwendung verbieten. > und haben dann ja alle infos die sie bisher nicht immer bekommen. > die chipkarte ist ohnehin das letzte. > ohne sie wird man in keinem krankenhaus mehr behandelt. egal was > man > hat! ich spreche da aus bitterer erfahrung. > erst wenn man bewustlos auf deren flur liegt kommen die dann in > bewegung. aber sobald man wieder bei sinnen ist: bitte ihre > chipkarte… Daß ein Krankenhaus die Chipkarte braucht liegt doch auf der Hand: die müssen sich ja irgendwie finanzieren. Diese rigiede Forderungen nach der Chipkarte ist übrigens ein Patienten-gemachtes Problem … und im übrigen wird im Zweifelsfall trotzdem behandelt. > und ich habe auch die erfahrung gemacht, das die daten, die sie da > ablegen wollen unsinn sind. die gibt eine tippse dann ein. VERTIPPT > sich und schon ist man xyz. meine alte krankenkasse hat es ja erst > nach > dem dritten mal beschweren geschafft meine anschrift und meinen > namen > richtig zu speichern. Na ja. Irgendwer muß die Daten ja eingeben. Ich wüßte nicht, was man daran ändern könnte. Außerdem hatte ich noch nie solche Probleme. > wer garantiert mir ausserdem, das mit diesen daten kein schindluder > getrieben wird? etwa die krankenkassen? Man darf aber auch die positiven Aspekte nicht außer Acht lassen. Im Notfall sind halt nunmal Daten wie Unverträglichkeiten auf bestimmte Medikamente von entscheidender Bedeutung. Auch die Unsitte, gleichzeitig bei mehreren Ärzten in Behandlung zu sein und von jedem ein anderes Medikament verschrieben zu bekommen, wird damit hoffentlich abgeschafft. Das hat dann auch für den Kunden Kosteneinsparungen (so sie denn weitergegeben werden) zur Folge. Ich bin schon lange für eine elektronische Medikamentendatei. In meinem Bekanntenkreis gibt es Leute, die sich alle Medikamente von verschiedenen Ärzten auf den Sohn oder die Tochter schreiben lassen, da Schüler bzw. Studenten ja keine Rezeptgebühren zahlen müssen … > leute schaut euch mal an wo die ihre bueros haben: immer in den > besten > lagen. wie versicherungen und banken auch. > IMHO: dort wo das geld sitzt ist artikel 1 GG nicht mehr vorhanden. ACK. Genau wie jede andere (amtsähnliche) Organisation wird das Geld zuallererst für sich selbst ausgegeben, dann für die Kunden! […]
Veröffentlicht am 2. Mai 2008 um 22:03 | Permalink