Die roten Haare der Neandertaler
Eine wirklich sehr merkwürdige Synchronizität ist mir dieser Tage über den Weg gelaufen und ich möchte es dem Leser überlassen, sich darüber seine eigene Meinung zu bilden.
Sowohl über das Radio als auch über einige Wissenschafts- und Nachrichtenseiten im Internet wurden im Oktober 2007 die Ergebnisse von wissenschaftlichen Untersuchungen an Neandertaler-Knochen bekannt gemacht. Forscher des Max-Planck-Institus für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig hatten bei Erbgut-Untersuchungen an diesen Knochen herausgefunden, daß Neandertaler möglicherweise rothaarig gewesen sein könnten. Sie fanden charakteristische Veränderungen eines defekten Gens mc1r, das auch beim modernen Menschen für rote Haare, sehr helle Haut und viele Sommersprossen verantwortlich ist. Da wenige Proben natürlich nicht repräsentativ sind, sprachen sich die Wissenschaftler allerdings nicht dafür aus, daß alle Neandertaler rothaarig gewesen sind, sondern votierten für eine normale Häufigkeitsverteilung von Haar- und Hautfarben.
Schon 2001 war ein Forschungsteam vom John Radcliffe-Institut für Molekularmedizin in Oxford zu einem ähnlichen Ergebnis gelangt. Damals sprach man in einer veröffentlichten Studie davon, daß heutige Rothaarige ihr spezifisches “Ginger”-Gen (”Rotschopf”-Gen) möglicherweise vom Neandertaler geerbt haben. Untersuchungen hatten ergeben, daß dieses Gen älter als 50000 Jahre, eventuell sogar 100000 Jahre alt ist. Der Homo Sapiens, von dem der moderne Mensch abstammt, wanderte aber erst vor ca. 40000 Jahren aus Afrika nach Europa ein. Das Gen muß daher von einer älteren Rasse abstammen und man äußerte die Vermutung, daß dies die Neandertaler gewesen sein könnten.
Aufgrund der Entwicklung der Gentechnik und Molekularbiologie ist es unwahrscheinlich, daß es erheblich früher schon ähnlich detaillierte Untersuchungen zu diesem Thema gegeben hat.
Soweit, so gut. Was soll nun das Ganze?
Als ich die Meldungen hörte, erinnerte ich mich erstaunt an eine Passage aus der Biographie des Raketenpioniers, Crowley-Jüngers und O.T.O.-Okkultisten Jack Parsons, die eine Zeit ca. 60 Jahre vor den heutigen Erkenntnissen beschreibt und die ich hier kommentarlos anfüge:
“Hubbard1 bezauberte den Bewohner der Parsonage2 Alva Rogers3, der ebenfalls rothaarig war. Tatsächlich vertraute Hubbard ihm seinen Glauben an, daß alle Rothaarigen vom Neandertaler abstammten und nicht vom reinen Homo Sapiens. ‘Ich muß nicht erwähnen,” schrieb Rogers, ‘daß ich fasziniert war.’”
[John Carter: Raumfahrt, Sex und Rituale / Das okkulte Leben des Jack Parsons; Hadit Verlag, Albersdorf 2003, S. 118]
Anm.:
1 gemeint ist L. Ron Hubbard (1911 - 1986), Schriftsteller, Okkultist und Abenteurer, der später als Begründer der Dianetik und der Scientology Church bekannt werden sollte. Hubbard zog 1945 in Parsons Haus ein.
2 als Parsonage wurde Jack Parsons berühmtes Haus in der South Orange Grove Avenue in Pasadena bezeichnet, in dem sich Wissenschaftler, Schriftsteller, SciFi-Fans, Bohemiens, Esoteriker und Okkultisten trafen
3 Alva Rogers, Schriftsteller, der über die Teilnahme an Science-Fiction-Treffen in Verbindung mit Parsons’ Haus kam und ein langjähriger Bewohner desselben wurde
Links:
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/154304.html
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/284875.html
Soliton 91 schrieb:
hmmm… sehr lustig, über die Meldung bin ich auch gestolpert…
Passend, der Zufallsspruch: “Was man als Blindheit des Schicksals bezeichnet, ist in Wirklichkeit nur die Kurzsichtigkeit der Menschen.”
Veröffentlicht am 29. Oktober 2007 um 20:48 | Permalink
Kralle schrieb:
Und die Wissenschaft ist immer auf dem aktuellsten Stand des Irrtums…
Veröffentlicht am 13. November 2007 um 11:37 | Permalink