Autor
Frank Cebulla (*1964): Sohn einer thüringischen Mutter und eines schlesischen Vaters, in Thüringen geboren und aufgewachsen, atheistische Erziehung, üblicher DDR-Bildungsweg bis hin zum naturwissenschaftlichen Studium mit Diplomabschluß an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Im akademischen Wissenschaftsbetrieb verwandelte ich mich nach und nach (wohl zwangsläufig) zum ironischen Kritiker der institutionellen Religion des Rationalismus und finde heute wissenschaftskritische Ansätze, wie sie beispielsweise von Prof. Paul Feyerabend vertreten wurden, absolut bedenkenswert. Im Zuge der “friedlichen Revolution” (die man heute fälschlicherweise “Wende” nennt) wurde ich vom Schicksal in andere Bereiche der Gesellschaft verschlagen. Ein kurzer suchender Ausflug in die Katholische Kirche ließ mich zu einem unversöhnlichen Feind des Christentums und des Monotheismus überhaupt werden. Fünf Jahre in der Pharma-Industrie lehrten mich das Einmaleins des Kapitalismus und der unfreien Marktwirtschaft, bis die grauen Herren meine allzu loyalen Dienste nicht mehr benötigten und ich eines Tages zusammen mit Hunderten meiner Kollegen und Kolleginnen auf die Straße flog.
Es folgte die Selbständigkeit mit einem Geschäft für Kreativbedarf und Esoterik in Jena (daher der Name Equinox), bis Jahre später klar wurde, daß ich den Kapitalismus noch immer nicht verstanden hatte und die Zinsknechtschaft, auf die ich mich dummerweise eingelassen hatte, meine Firma, meine Familie und mich selbst in den Ruin trieb. Es folgten Zwangsverkauf unserer Wohnstätte, Ehescheidung, jahrelanger Streit mit Ex-Frau, Gerichten und Jugendamt um das minimale Recht, meine zwei Söhne wenigstens ein paar Tage im Monat sehen zu dürfen (was für eine Gnade, ich danke Euch, Advokatengeschmeiß!). Arbeitslosigkeit, Aushilfsjobs als Callcenter-Agent und Tankstellenverkäufer … na ja, wie man sich leicht denken kann, ging es mir in dieser Zeit nicht besonders. Mit der Zeit wandelten sich die Schatten wieder in eine lichtere und stabilere Phase - das Leben als Achterbahnfahrt zwischen Oben und Unten; ich scheine nicht der Einzige zu sein, dem es unter den gegebenen gesellschaftlichen Umständen so geht.
Seit gut 20 Jahren faszinieren mich Phänomene der Bewußtseinserweiterung, Hermetik, Grenzwissenschaften, Magie, Kabbala, Ursprache und Mythologie. Ich las so gut wie alles, was mir dazu in die Hände fiel und versuchte einen Teil davon, in eigene praktische Erfahrungen umzusetzen. Mein anfänglicher esoterischer Enthusiasmus wandelte sich angesichts des esoterischen Marktes der Banalitäten und Eitelkeiten mit der Zeit in Sarkasmus und Desillusionierung. Meine Ausbildung in wissenschaftlicher Methodik bewahrte mich vor der grenzenlosen Naivität und dem allgegenwärtigen gläubigen Selbstbetrug in der esoterischen Szene. Nachdem ich jahrelang Vorträge zu diversen Themen gehalten hatte, zog ich mich mehr und mehr aufs Schreiben zurück.
Von 2000 - 2006 habe ich zusammen mit meiner damaligen Partnerin Gundula Freytag die 22 Ausgaben der Zeitschrift DER GOLEM herausgegeben, den Hadit Verlag aufgebaut und als Autor ein Buch und zahlreiche Aufsätze und Veröffentlichungen in diesem und anderen Magazinen veröffentlicht (wen es interessiert, siehe Bibliographie). Mein frühzeitiges Interesse für politische Verschwörungen und ein unerbittlich-kritischer Blick auf die medialen Lügen, Manipulationen und profitablen Kriege der herrschenden Verbrecher und Geisteskranken haben in mir die Überzeugung reifen lassen, daß individuelle Bewußtseinserweiterung nur dann einen Wert besitzt, wenn sie die soziale Anbindung und interpersonelle Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit und Mitgefühl nicht aus den Augen verliert. In diesem Sinne sympathisiere ich heute mit einem ontologischen Anarchismus, wie ihn Hakim Bey vertritt - ein Anarchismus, der allerdings nichts mit dem gewollten Links-Rechts-Affentheater zu tun hat. Neben Bey haben mich vor allem Leben, Werk und Ideen von Aleister Crowley, Austin Osman Spare, Friedrich Nietzsche, Robert Anton Wilson, Wilhelm Reich, Jack Parsons und diversen Dichtern und Schriftstellern (F. Hölderlin, R. M. Rilke, H. Miller, Ch. Bukowski, Ph. K. Dick, M. Houellebecq u.a.) beeinflußt und befruchtet.
Darüber hinaus interessieren mich vor allem bestimmte Denkblockaden, moralische Unterdrückung und gesellschaftliche Tabus, wie sie zum Beispiel in der Rolle von Sexualität zum Ausdruck kommen. Gerade die Esoterik und selbst die scheinbar provokativsten Subkulturen (z.B. der Satanismus) zeigen, wie verklemmt selbst die angesagtesten Gurus, hohen Eingeweihten und schrägsten Szene-Typen sind und sexuelle Phänomene, ganz natürliche Begierden und Triebe totgeschwiegen, schamvoll tabuisiert oder unter pseudomoralischen Vorwänden abgelehnt werden. Das Erbe der Spätantike und vor allem des Christentums erscheint diesbezüglich wie ein lepröser Aussatz auf dem Antlitz der Menschheit. Nicht zuletzt aufgrund eigener Erfahrungen mit diesem Thema teile ich die Ansicht Frank Lerchs (siehe seine Bücher, insbesondere Nightworks und Black Light Pleasures), daß man keinen Schritt auf dem Weg der Bewußtseinserweiterung vorankommt, solange man nicht die eigene Sexualität befreit hat (und behaupte nicht, daß mir dies bis jetzt zufriedenstellend gelungen wäre). Menschen, die sexuell nicht frei leben und (da)sein können, werden immer die Waffe vor anderen Kommunikationsmitteln bevorzugen (siehe dazu auch den Beitrag “Körperliche Lust vs. Aggression”).
Ich gehöre keiner Sekte, Religion oder esoterischen Gruppe an (dies wird auch in Zukunft nicht passieren) und wenn mich überhaupt irgendjemand oder irgendetwas initiiert hat, dann waren es das Leben selbst, ein phallischer Gott und zwei oder drei faszinierende Menschen, die mir auf meinem Weg begegnet sind.
Von 2006 - 2008 haben wir uns aktiv im Bereich Naturschutz engagiert und regional im Saale-Holzland-Kreis zusammen mit anderen Menschen vehement gegen Waldzerstörung und diesbezügliche Gleichgültigkeit von Ämtern und Behörden zur Wehr gesetzt (siehe www.aufwachen.net). Die leider ausgebliebenen Ergebnisse, die krasse Ignoranz der Öffentlichkeit, mafiöse Politstrukturen und die weiterhin bestehenden, denkbar unglaublichsten Verhältnisse sind nur als Desaster zu bezeichnen und nicht geeignet, auch nur den geringsten Optimismus zu hegen, was die Zukunft unserer natürlichen Umwelt angeht. Sehr gern hätte ich an dieser Stelle etwas anderes geschrieben.
Eigentlich wollte ich nie etwas mit politischen Parteien zu tun haben, das ergibt sich logisch von selbst aus dem was ich oben über meine persönliche Weltsicht geschrieben habe. Die rasante Entwicklung Deutschlands zu einem totalitären Überwachungsstaat haben jedoch zum einen die Piratenpartei als völlig neue politische Kraft entstehen lassen, zum anderen mich dazu gedrängt, etwas für absolut notwendige gesellschaftliche Veränderungen zu tun. Deshalb bin ich seit August 2009 Mitglied der Piratenpartei geworden und versuche mich dort einzubringen.
Seit zwei Jahren lebe ich (nun allein) am Rand der ostthüringischen Stadt Jena, bestreite meinen Lebensunterhalt als Techniker in einer medizinischen Einrichtung, schreibe, denke, liebe und hasse, leide, begehre und genieße und bin wie eh und je weit von geistiger Ruhe und mentalem Gleichgewicht entfernt - kurz, bin ein Mensch wie jeder andere auch auf diesem Planeten. Es gibt keine mächtigere Magie als das Leben selbst.