Das-Grosse-Rechts-Links-Spiel (II)

Vor Jahren fiel mir in einem Nachrichtenmagazin ein Foto aus dem Bundestag auf. Es zeigte während einer Sitzungspause einige Politiker, die zwischen den Sitzreihen zusammen standen und - das Foto war in dieser Hinsicht eindeutig - sich köstlich amüsierten. Es scheint nun von vornherein nichts Merkwürdiges dabei zu sein, wenn auch Politiker gut gelaunte Menschen sein können, wenn da nicht ein Detail gewesen wäre, das mich verblüffte. Zwei der Politiker, die da mit dem herzlichsten und freundschaftlichsten Lachen der Welt miteinander umgingen, waren zum einen der ehemalige Kanzler Gerhard Schröder und zum anderen eine Abgeordnete der PDS, deren Namen mir entfallen ist, die jedoch zu dieser Zeit wegen ihres punkigen Aussehens und ihrer Nähe zur Kommunistischen Plattform medial immer wieder mal auffiel (vielleicht kann mir jemand mit dem Namen auf die Sprünge helfen?). Zwei ziemlich krasse politische Gegner (der “Kanzler der Bosse” und die Kommunistin), mit ideologischen Ansichten, die diametraler nicht hätten sein können, gaben sich hier als die besten Kumpel zu erkennen.
Nun besteht hier eine gewisse Gefahr, in Stammtischmanier miesepetrig und mißtrauisch etwas hineinzudeuten, was in dieser Szene vielleicht gar nicht vorhanden war, nichtsdestotrotz bringt es uns zu unserem Thema, dem Großen-Rechts-Links-Spiel und seinen Protagonisten, noch einmal zurück und obendrein einige neue, überraschende Gedanken dazu. Denn wenn wir schon von einem Spiel sprechen, wäre es doch einmal interessant, einige Aspekte desselben unter dem Blickwinkel der Spieltheorie zu betrachten. (more…)

Das-Grosse-Rechts-Links-Spiel

Den alten Römern schreibt man gern die politische Maxime Divide et impera zu: Teile und herrsche. Und so teilten und herrschten sie tatsächlich viele Jahrhunderte, bis das Römische Reich selbst geteilt und seine Herrschaft vom modrigen Staub der Geschichte hinweggefegt wurde. Die Maxime selbst stammt allerdings nicht aus der Antike, sondern vermutlich aus der Renaissance, vom französischen König Ludwig XI. (mit dem Beinamen “Die Spinne”), der die Devise diviser pour régner prägte.
Schon als Kinder kannten wir ein ähnliches Sprichwort, das weniger gelehrt oder machthungrig klang, aber im Grunde die gleiche lehrreiche Botschaft vermittelte: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Dieser - ebenfalls sprichwörtlich gewordene - lachende Dritte ist eine merkwürdige Gestalt, zieht sie doch einen unverkennbaren Nutzen aus einer Position, die außerhalb zweier anderer gegensätzlicher Parteien liegt. Dabei nimmt der Dritte nur bedingt Einfluß, agiert mehr als Beobachter, Strippenzieher und bedächtiger Wahrer seiner Vorteilsrolle, einer Rolle, die den streitenden Parteien nicht bewußt ist. Er ist derjenige, der Zwietracht und Uneinigkeit sät - und davon profitiert. (more…)

Klimawandel macht Arbeiter faul

Es tönte diese Woche über alle Medien: die “Forscher” und “Experten” des Kieler Institutes für Wirtschaftsforschung (IfW) im Auftrag der Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF) haben es herausgefunden und amen, wir sind ihnen wieder mal dankbar dafür. Die bedenklichen Folgen des Klimawandels und der Erderwärmung bestehen nicht zuletzt in einer gravierenden Senkung der allgemeinen Arbeitsproduktivität. Ein Arbeitnehmer kommt bei 23 Grad Raumtemperatur auf volle Leistungskraft, bei 30 Grad nur noch auf 70 Prozent, ist da zu lesen. Das muß man sich mal vorstellen. Nach Modellrechnungen der Studie nimmt die Arbeitsproduktivität unter der Einwirkung immer häufigerer Hitzewellen jährlich zwischen drei und 13 Prozent ab, was für die Volkswirtschaft einen Verlust von bis zu zehn Milliarden Euro im Jahr bedeute. Weniger Wirtschaftswachstum weltweit ist die Folge! Mir kamen die Tränen vor Lachen angesichts dieser schrecklichen “Katastrophe”. (more…)

Das Leben der Anderen

Der deutsche Kinofilm “Das Leben der Anderen” (des adligen Regisseurs und Drehbuchautors Florian Henckel von Donnersmarck, mit vielen Preisen ausgezeichnet und einer Oscar- Nominierung versehen) ist wieder einmal neudeutsche Gelegenheit, den unbarmherzigen Blick auf die ach so schreckliche Vergangenheit der Ostdeutschen im “kommunistischen Schreckensregime” der DDR zu kultivieren. Dies ist für die Macher, Lenker und Manipulierer in diesem geplagten Land mehr als vorteilhaft, denn erstens kann man darauf aufbauend den Ossis wieder mal demonstrieren, wie gut es ihnen doch heute in der “freien Marktwirtschaft” geht, zweitens kann man bequem vergessen, daß die sogenannte “Wende” nur ein geplantes Einverleibungsstück des etwas in die Jahre gekommenen Kapitalismus war (und keine Volksrevolution) und drittens lenkt der anklagende Fingerzeig auf die Verbrecher der Vergangenheit herrlich von den Taten der gegenwärtigen Politkriminellen ab.
Denn - und dieses Thema ist aktueller denn je - das Leben der Anderen ist auch für die gegenwärtig herrschende Klasse so interessant, daß eine ganze Reihe von Vorhaben geplant oder in der Umsetzung sind. Gegen die Vehemenz und die Big-Brother-Manie dieser Vorhaben erscheinen die einstigen Spitzelmethoden der STASI wie ein lächerlich anachronistischer Dilettantismus. (more…)

Lieblingspolitiker

© 1998 by Frank Cebulla

Richard von WeizsäckerIn der Ära “großer Wahlen” (was immer das auch bedeuten mag) halten Politiker gern wohlfeile Reden. Die Wahrheit hinter ihren geschniegelten Weiße-Weste-Anzügen spielt dabei meistens keine große Rolle. Obwohl diese erbärmliche Sorte Mensch eigentlich eben gerade nicht der Rede wert ist, habe ich zu einem früheren Zeitpunkt ein Exemplar - Franz Josef Strauß - einmal von einer anderen Seite beleuchtet (veröffentlicht in Die Kiste II/98, siehe Anm.). Manchmal hört man darauf Sätze wie: Ja, der Strauß war ein Gauner, aber der XY, das ist ein feiner Kerl … Offensichtlich war die damalige Geschichte noch nicht deutlich genug, um das Wesen des Politikers an sich offenzulegen. Deshalb eine weitere Geschichte … und diesmal nicht irgendwer, nein … dieses Mal ein echtes Musterexemplar, einen über jeden Zweifel Erhabenen, den Oberpolitiker par excellance … (more…)