
Eines der erstaunlichsten Sachbücher, die mir in letzter Zeit in die Hände fielen, ist ohne jeden Zweifel “Tore zur Unterwelt” von Dr. Heinrich und Ingrid Kusch, zwei bekannten und renommierten Prähistorikern und Höhlenforschern. Selbst wenn man sich wie ich schon lange mit Vorgeschichte, Heidentum und Megalithkultur beschäftigt und selbst Plätze dieser Art besucht hat, dann begeht man mit der Zeit den Fehler, sich ein paar wenige Standpunkte und Theorien zurechtzulegen, die man nur noch selten hinterfragt. Und in der Tat erscheinen Jahr für Jahr neue Bücher zu diesen oder ähnlichen Themen, die - insbesondere im esoterischen Bereich - kaum etwas Neues bringen, sondern immer nur den Schnee von vorgestern publikumsgerecht neu aufbereiten. Dr. Heinrich und Ingrid Kusch ist es - offenbar als Ergebnis einer langjährigen praktischen Forschungstätigkeit und durch ihren unverkennbaren Enthusiasmus - dagegen gelungen, zu Erkenntnissen zu gelangen, die nicht nur abenteuerlich und unglaublich erscheinen, sondern auch noch dazu geeignet sind, vieles in Frage zu stellen, was wir bisher über die europäische (vielleicht sogar globale) Vorgeschichte zu wissen glaubten. (more…)
Während die Kritiker-Elite ausgiebig und süffisant darüber streitet, ob nun die kranken Folterexzesse in “Hostel” oder “Saw IV” nicht doch kritische Anspielungen auf Abu Ghraib sind, ist man sich mehr oder wenig darüber einig, daß das Polit-Drama “Von Löwen und Lämmern” (Regie: Robert Redford / Script: Matthew Michael Carnahan) nur durchschnittlich ist, nicht hält was es verspricht, zu belehrend wirkt, keine neuen Argumente bringt und was dergleichen platte Attitüden mehr sind. Wenn das mediale Establishment pikiert reagiert, sollte man sich das Ziel der Attacke am besten gleich selbst ansehen - in der Regel entdeckt man hinter den ach so enttäuschenden Kindern des Mainstreams recht ordentliche Überraschungen, sehens- und empfehlenswert.
“Von Löwen und Lämmern” macht da keine Ausnahme. Der Film besteht aus mehreren Episoden, die auf eine offensichtliche und wenig dynamische Art miteinander verknüpft sind. Doch während diese filmische Technik in “Babel” recht herbeikonstruiert wirkt, besitzt sie hier eine letztendlich schlüssige und den Zuschauer beeindruckende Logik. (more…)
Über Musikgeschmack kann man wie jeder weiß trefflich streiten und so soll es in dieser Rezension keineswegs darum gehen, ein Plädoyer für oder gegen amerikanischen Country zu halten und davon abgesehen hatte ich selbst vor gut einem Jahr noch nie etwas von einer Frauenband gehört, die sich ihren Namen nach einem Fastfood-Gericht aussuchte: “The Dixie Chicks”. Dixie bezeichnet bekanntlich die amerikanischen Südstaaten und Country ist dort schlichtweg eine nicht wegzudenkende Institution, gegen die im Vergleich deutsche Volksmusik ein schattenhaftes Nischendasein fristet.
Barbara Kopple, zweifache Oscarpreisträgerin und große Legende des amerikanischen Dokumentarfilms begleitet in “Shut Up And Sing” (auf deutsch ungefähr “Halt’s Maul und sing”) die drei Musikerinnen der “Dixie Chicks” zwischen 2003 und 2006 und mittlerweile dürfte sich herumgesprochen haben, warum. Die Chicks, in der Tat bis dahin eher unbedarfte Hühner ausgerechnet auch noch aus Texas, waren gewaltig ins Fettnäpfchen getreten. Auweia … (more…)
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Als ich mir neulich mal die Neuverfilmung von Stanislaw Lems Roman “Solaris” mit George Clooney in der Hauptrolle angesehen hatte, fiel mir mein verstaubter Stapel Lem-Bücher aus guten, alten Ost-Zeiten wieder ein. Enthusiastisch angehaucht, wie ich in dieser Situation war, las ich also “Solaris” ein weiteres Mal und war doch (wieder?) erstaunt, mit welch philosophischem Tiefgang diese ungewöhnliche Geschichte daherkommt und wie interessant sie zu lesen ist. In “Solaris” geht es um den schwierigen und letztendlich wahnsinnserzeugenden Kontakt einiger Menschen zu einem außerirdischen, lebendigen und zudem noch quasi-intelligenten Ozean und so ist es vielleicht kein Wunder, daß ich mir daraufhin als nächsten Lem-Titel “Die Stimme des Herrn” griff, der ebenso den Kontakt zum Thema hat und dieses auf eine Weise abhandelt, die wohl in der (zumindest mir bekannten) Sci-Fi-Literatur ihresgleichen sucht. Die Geschichte oder besser gesagt Rahmenhandlung ist nicht spektakulär und schnell erzählt: Durch Zufall wird in einem schmalen Frequenzband der kosmischen Neutrinostrahlung ein aufmoduliertes Signal entdeckt, dessen informelle Struktur und endlos-zyklische Wiederholung auf eine künstliche Quelle schließen läßt. Bestätigt sich diese Vermutung, so ist nicht nur der erste Kontakt zu einer außerirdischen Intelligenz gelungen, sondern es stellt sich die Frage, was will uns der Absender mit seinem “Brief”, seiner “Botschaft”, seiner “Übertragung” eigentlich übermitteln? (more…)
“Wir sind alle des Verbrechens schuldig, des großen Verbrechens, daß wir das Leben nicht voll leben. Aber wir haben alle die Möglichkeit, frei zu sein. Wir können aufhören, daran zu denken, was wir zu tun versäumt haben, und können tun, was in unserer Macht liegt.”
Vermutlich haben schon viele - meistens wohl männliche - Jugendliche zu Henry Miller gegriffen, um den sexuellen Kitzel, das Skandalöse und “Versaute” zu suchen und dann enttäuscht nach ein paar Seiten aufgegeben. Der Grund dafür ist einfach: Es handelt sich um wahrlich große Literatur, die nicht einfach zu lesen ist und alles abverlangt! “Sexus” bildet da keine Ausnahme. In diesem “obszönsten seiner Bücher” (New York Times) findet der Leser nichts Obszönes, jedenfalls nichts, was dieser Bezeichnung im politisch korrekten Wort-Ranking der paranoiden Komm-her-geh-weg-Moral der Mediengesellschaft nahe kommen würde - vorausgesetzt, der Leser ist ehrlich genug, sich einzugestehen, daß dies alles sowieso in einem Winkel seines Kopfes fröhlich vor sich hin sprießt. Ohne ehrliche Selbst-Reflexion kommt man ohnehin nicht weit in diesem “Roman”, denn die gnadenlose Ehrlichkeit des Autors sich selbst und der Welt gegenüber schlägt alles, was ich jemals in dieser Beziehung gelesen habe. (more…)